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Von Amazon auf die Palme gebracht

Konzernverantwortlicher hält Gewerkschaft für »teilweise nicht mehr zeitgemäß«

Bei Amazon in Leipzig haben am Montag hunderte Mitarbeiter für einen Tarifvertrag gestreikt. An der ver.di-Aktion beteiligten sich mehr als 400 Personen.

»Ihr wollt einen Tarifvertrag. Das ist euer Recht!«, ruft ver.di-Sprecher Thomas Schneider den Streikenden in ihren gelben Westen entgegen. 200 Mitarbeiter des Leipziger Amazon-Standorts waren am Montag dem Streikaufruf der Gewerkschaft gefolgt. Schon an einer ersten Streikwelle am Morgen hatten 200 der 2000 Beschäftigten teilgenommen. Damit lag die Beteiligung laut ver.di auf ähnlichem Niveau wie bei vorherigen Protestaktionen. Schneider erinnerte daran, bei welchen Themen das Amazon-Management bereits nachgegeben habe: Weihnachtsgeld, Einführung von Betriebsräten und Lohnerhöhungen.

Die ver.di-Forderung nach einem Tarifvertrag wurde allerdings bisher nicht erfüllt - im Gegenteil. Einige Aussagen des Amazon-Verantwortlichen Armin Cossmann hätten ver.di »auf die Palme gebracht«, erklärte deren Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago gegenüber »nd«. Der Rundumschlag des Amazon-Verantwortlichen gegen ver.di gebe mehr als genug Anlässe für die neuen Proteste. So hatte Cossmann, Amazon-Regionalleiter Nordost, am vorigen Mittwoch in Leipzig gesagt: »Wir sind fundamental davon überzeugt, dass ein dritter Partner im Unternehmen immer nur die zweitbeste Lösung ist.« Er glaube auch, dass »eine Organisation wie ver.di teilweise nicht mehr zeitgemäß ist.« Zuvor hatte er bereits Tarifverhandlungen kategorisch abgelehnt. »Wir haben nicht vor, einen Tarifvertrag abzuschließen«, wird Armin Cossmann aus einem Schreiben an ver.di vom 21. März 2013 zitiert.

Ver.di hatte seit vorigem Sommer in den Amazon-Zentren Leipzig und Bad Hersfeld immer wieder zu Protestaktionen aufgerufen. Die Gewerkschaft will für die Mitarbeiter eine Bezahlung nach Einzelhandelstarif erreichen. Amazon lehnt das ab. Das Unternehmen definiert sich als Logistikkonzern, der mit seinen Löhnen am oberen Ende des Branchenüblichen läge. Doch eine faire Bezahlung sieht anders aus: Zwar wurde im letzten Jahr zum ersten Mal ein Weihnachtsgeld in Höhe von 400 Euro für die Lagermitarbeiter gezahlt, doch gibt es weiterhin kein Urlaubsgeld. Außerdem werden Nachtarbeitszuschläge erst ab Mitternacht gezahlt. »Wir werden nicht zulassen, dass Amazon sich auf dem Rücken der Beschäftigten Wettbewerbsvorteile verschafft«, warnt Lauenroth-Mago. Man brauche tarifliche Regelungen zur Bezahlung, zur Arbeitszeit- und Pausenregelung und zum Weihnachts- und Urlaubsgeld. Auch müsse die »extensive Nutzung von Befristungen« eingeschränkt werden.

In der vergangenen Woche hatte auch der sächsische Wirtschaftsminister Sven Morlok den Leipziger Amazon-Standort besucht. »Das Unternehmen war in den vergangenen Wochen in den Schlagzeilen. Deshalb war es mir wichtig, vor Ort mit allen Beteiligten ins Gespräch zu kommen«, so Morlok. In Tarifverhandlungen wolle er sich aber dennoch nicht einmischen. Die Frage ist, warum er dann überhaupt gekommen war. »Wir haben Amazon nach dem Wochenstreik im Weihnachtsgeschäft viel Zeit gelassen, ihre Position zu der Aufnahme von Tarifverhandlungen zu überdenken. Nun liegt die erneute Ablehnung vor und darauf reagieren wir mit unseren Mitteln«, fasst Lauenroth-Mago zusammen. Zum Tarifvertrag gebe es keine Alternative. Nun plane man Streiks das ganze Jahr über bis ins Weihnachtsgeschäft hinein: »... und das in einer Größenordnung, die das vorige Jahr übersteigt.«

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