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Chilis aus dem computergesteuerten Garten

Ein Tüftler-Team in Weimar arbeitet am automatischen Naturkreislauf fürs Wohnzimmer

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Eine Garage irgendwo im Süden Weimars: Große, halbdurchsichtige Plastikkisten türmen sich in der Mitte des Raums. In einigen Kisten sind Pflanzen zu erkennen, in anderen Goldfische und kleine Welse. Drei junge Männer fachsimpeln über Steuertechnik, Wasserversorgung und Fischkot. Ihr Ziel: ein einfaches, selbstversorgendes System zur Pflanzenzucht - per App und Laptop steuerbar.

Eigentlich war die Idee von »plants & machines« am Anfang nur eine Spielerei der Technik-Freaks, sagt Martin Breuer, einer der Köpfe hinter dem Projekt. »Unsere Vision war es, einen ein Quadratmeter großen Garten mitten im Zimmer zu haben, der sich weitgehend selbst versorgt«, sagt Bastian Bügler, einer der Bastler. Schnell fanden sich weitere Mitstreiter. »Im Herbst 2012 haben wir angefangen, Anfang 2013 war der erste Prototyp fertig«, erinnert sich Martin Breuer, einer der Initiatoren.

Was die Studenten der Bauhaus-Universität entwickelten, ist unter dem Begriff »Aquaponik« weltweit ein Trend. Ein Kreislauf aus Pflanzen, Fischen und speziellen Mikroorganismen soll sich selbst versorgen und gegenseitig mit Nährstoffen beliefern. Das »Aquarienwasser« mit den Ausscheidungen der Fische wird zunächst über das Pflanzenbett geleitet und sickert dann in den Behälter mit den Mikroorganismen. Diese wandeln verbleibende Stickstoffverbindungen aus dem Fischkot in Nitrat um. »Der ideale Dünger für die Pflanzen«, sagt Breuer. Das so gereinigte Wasser landet wieder im Fischbecken, der Kreislauf beginnt von Neuem. Alles, was dem System zugeführt werden muss, ist hin und wieder etwas Fischfutter, Strom und Wasser.

Was angepflanzt werde und welche Tiere eingesetzt würden, sei fast völlig egal. Wegen Breuers Vorliebe für die scharfen Schoten und weil die Pflanzen als eher anspruchsvoll gelten, hatte sich das Team für Chilistauden entschieden. »Im Prinzip geht das mit jeder Pflanze - ins Aquarium können verschiedene Fische, aber auch Hummer und Garnelen eingesetzt werden.«

Eine geeignete Werkstatt fand das Team in der Garage des Weimarer Gründerzentrums »Neudeli«. Derzeit ist bereits die dritte Generation des Systems im Einsatz - voll automatisiert, dank selbst entwickelter Software sogar über das Internet steuerbar.

»Unser Ziel ist jetzt die Serienreife«, sagte Bügler. »Am Ende soll eine Art Baukasten stehen, den die Nutzer per Post geliefert bekommen, zusammenstecken, anschließen und die Sache läuft.« Zunächst würden sich vermutlich vor allem Bastler für das System interessieren - zumindest, bis alles fehlerfrei laufe und das Design stimme. Auch für diesen Teil bringt das Team beste Voraussetzungen mit - die Mitglieder studieren unter anderem Design an der Bauhaus-Universität. »Im zweiten Schritt sehen wir aber auch einen Markt bei Privatanwendern.«

Das große Ziel seien aber industrielle Anlagen und die wissenschaftliche Anwendung. »Biologische Testreihen in der Forschung sind bisher sehr aufwendig und teuer«, sagt Teammitglied Nicolas Herrmann. »Mit unseren abgeschlossenen Systemen ginge das deutlich schneller und einfacher.« Um das Projekt voranzubringen, haben die Tüftler nun ein Gründerstipendium im »Exist«-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums beantragt. Über die Förderung wird spätestens im Juni entschieden.

»Aber egal, wie die Entscheidung ausgeht: Wir werden auf jeden Fall eine Firma gründen und weitermachen«, sagt Bügler. Alle Mitstreiter sind von dem Projekt zutiefst überzeugt, das Feedback ist bislang äußerst positiv. Bei aller technischen Finesse haben die Tüftler des Weimarer Garagenprojekts, das einmal die Welt erobern soll, nur für einen allerletzten Schritt bisher noch keine automatisierte Lösung: Geerntet und gekocht wird nach wie vor per Hand.

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