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Dortmund feiert nachhaltigen Erfolg

Der ebenbürtige, aber unterlegene Pokalhalbfinalist Wolfsburg will noch näher an die nationale Spitze heran

  • Von Frank Hellmann, Dortmund
  • Lesedauer: 4 Min.
Borussia Dortmund steht nach dem Sieg gegen Wolfsburg im Pokalfinale. Beide wollen in Zukunft dem FC Bayern wieder gefährlicher werden. Darum drückt der VfL auch dem BVB im Finale die Daumen.

Ein aufgeschnappter Dialog in der Dortmunder Stadtbahn kurz vor Mitternacht. »Berlin - das ist einfach geil!«, sagt der eine, der in die U 45 noch einen halb vollen Bierbecher aus dem Stadion mitgebracht hat. »Da müssen wir auch gar nicht gewinnen«, entgegnet der andere, der seinen BVB-Schal ums Handgelenk gewickelt hat. »Wir haben allen gezeigt, dass wir nicht unterzukriegen sind.« Zwei sich zufällig begegnende Fans, die sich mit einem kräftigen Handschlag am Hauptbahnhof verabschiedeten, haben die trotzige Haltung, die einen Verein, seine Würdenträger, aber auch seine Anhängerschaft mit dem sechsten Einzug ins DFB-Pokal-Endspiel verbindet, ausgesprochen. An diesem Standort steht Erfolg in Form von Titeln eben nicht über allem; unter ehrbaren Umständen genügen ein dramatisches Aus im Viertelfinale (Champions League), ein zweiter oder dritter Rang (Bundesliga) und das Erreichen eines Finals (DFB-Pokal), um die Bilanz als ansprechend abzulegen.

»Mit dem heutigen Tag ist es eine tolle Saison«, sagte Hans-Joachim Watzke, »jetzt sind nur noch zwei Kleinigkeiten zu erledigen: Platz zwei in der Liga verteidigen und vielleicht den Pokal gewinnen.« Für den Vorsitzenden der Geschäftsführung der börsennotierten Borussia stellen diese Zielsetzungen aber eher Bonusprogramme als Pflichtaufgaben dar, denn dem Sauerländer dient das dritte Finale in Folge - 2012 und 2014 das nationale Cupendspiel, 2013 der Showdown in der Königsklasse - als »Beleg für Nachhaltigkeit«.

Bemerkenswert war beim 2:0 gegen den VfL Wolfsburg die einende Kraft, die erneut die »Gelbe Wand« auf der gewaltigen Südtribüne entfaltete, vor der die Protagonisten gar nicht anders konnten, als im dritten Spitzenspiel binnen acht Tagen über die Schmerzgrenze hinauszugehen. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp sprach von »Panikattacken«, weil er leidvoll beobachtete, wie die Seinen an »fehlender Sauerstoffzufuhr« litten. »Die Willensleitung«, von der Watzke später sprach, verglich der Fußballlehrer mit dem »Ende eines Marathons« - und der neue Zielstrich liegt nun im Berliner Olympiastadion. Die Dortmunder Sieger trugen T-Shirts, auf denen das Brandenburger Tor abgebildet war und stand: »Finale - schön, wieder hier zu sein.« Verteidiger Mats Hummels möchte am 17. Mai zudem »irgendwas hochhalten«.

Klopp berichtete grinsend: »Wir freuen uns wie Bolle auf Berlin - das wird ein großartiges Event.« Danach hatte der Entertainer im vierten Stock des schwarz-gelben Stimmungstempels alle Lacher auf seiner Seite, als er die Pressekonferenz wegen einem menschlichen Bedürfnis abrupt abbrach. »Ich muss mal dringend für kleine Trainer. Und von da wo ich hin muss, komme ich so schnell nicht wieder.« Dann hüpfte er vom Podium und sprintete zur Tür hinaus. Nur das hatte der 46-Jährige zuvor noch an verwertbaren Worten herausgepresst: »Ein glücklicher Sieg, aber nicht unverdient - wir haben die Bälle halt reingeschossen.«

In Person von Henrikh Mkhitaryan (12.) und Robert Lewandowski (43.) übrigens. Der Pole brachte seinen 100. Pflichtspieltreffer für den BVB an - danach lüftete der Torgarant ein mit dieser Zahl bedrucktes T-Shirt. »Ich will mich mit einem Titel hier verabschieden«, beschied der Bald-Bayern-Stürmer. Und fügte noch an, was ohnehin seit Wochen zu beobachten ist: »Ich bin bis zur letzten Sekunde Spieler von Borussia Dortmund.« Übers Saisonende hinaus gilt das neuerdings für Dauerpatient Ilkay Gündogan, dessen Vertragsverlängerung bis 2016 aber Mutmaßungen befeuert, dass der 23-Jährige wohl 2015 für eine hohe Ablöse wechseln könnte. Watzke dazu: »Wir haben die berechtigte Hoffnung, dass Ilkay vollständig gesund wird und nächste Saison bei uns spielt.«

Die Verlierer aus Wolfsburg hatten zu diesem Zeitpunkt längst alles erklärt. »Diese Mannschaft ist dicht dran«, resümierte Geschäftsführer Klaus Allofs, wohl wissend, dass die Entwicklung bei der Fußballtochter schneller läuft als die Fließbänder in einem VW-Autowerk. »Kleine Unterschiede sind noch da«, bilanzierte Trainer Dieter Hecking. Das Wörtchen »noch« ist dabei in der Analyse so oft strapaziert worden, dass es für die Wolfsburger Verantwortlichen und Geldgeber zwangsläufig erscheint, diese Lücke in absehbarer Zeit schließen zu können. Tatsächlich hat jetzt ein Millionenpublikum mitbekommen, dass - ungeachtet aller Antipathien für den Werksklub - im deutschen Fußball eine Großmacht heranwächst, die vielleicht auch mal den FC Bayern ärgern kann. Vorerst indes soll der BVB diesen Part besetzen. Und so verabschiedete Hecking den Gegner: »Zeigt den Bayern, dass die anderen da sind.«

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