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»Die Beteiligung ist immer zu gering«

Gegen Rüstungsexporte, Bundeswehreinsätze, Atomwaffen: Bundesweit mehrere Tausend bei den traditionellen Ostermärschen für Frieden auf der Straße

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Berlin. Mehrere tausend Menschen sind auch am Samstag bundesweit bei den traditionellen Ostermärschen für Frieden und den Stopp von Rüstungsexporten auf die Straße gegangen. Der Protest richtet sich dieses Jahr unter anderem gegen Atomwaffen, US-Militärbasen in Deutschland und den Einsatz von Kampfdrohnen. Auch der andauernde Bürgerkrieg in Syrien mit abertausenden Opfern und die Zuspitzung im Ukraine-Konflikt waren wichtige Themen.

»Russische Truppen in der Nähe der Grenze zur Ukraine sind für eine Entspannung so wenig hilfreich wie der Aufbau der NATO-Präsenz im Baltikum, Polen und auf der Ostsee«, erklärte der Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative, Manfred Stenner, in Bonn. Sanktionsdrohungen gegen Russland erteilten die Friedenskooperativen eine Absage. In einer Erklärung mahnten die Veranstalter der Ostermärsche alle Beteiligten zur Zurückhaltung. Der Bundesausschuss Friedensratschlag wandte sich dabei auch gegen die Abspaltungsbestrebungen in der Ostukraine. »Der Konflikt in und um die Ukraine hat das Potenzial zu einem Flächenbrand, der weit über die Ukraine hinaus geht«, sagte der Referent für Friedensfragen beim Versöhnungsbund, Clemens Ronnefeldt, auf einer Veranstaltung im baden-württembergischen Ellwangen.

Die Linkspartei hatte sich bereits Ende März in einem eigenen Ostermarsch-Aufruf gegen den Bruch des Völkerrechts auf der ukrainischen Halbinsel Krim ebenso wie im Kosovo, sprach sich aber auch gegen Sanktionen gegen Russland aus. »Sicherheit in Europa wird es nur mit Russland geben und nicht gegen Russland«, hieß es.

In Schleswig-Holstein demonstrierten nach Polizeizählung am Samstag rund 600 Menschen in Kiel, Wedel bei Hamburg und Flensburg. Mehrere hundert Teilnehmer kamen auch in Niedersachsen und Bremen zusammen. Ein kleiner Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Nordrhein-Westfalen

In Gummersbach, Bonn und Münster fanden bei strahlendem Sonnenschein Aktionen der Ostermarsch-Bewegung statt. Dabei wurde auch an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 und des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren gedacht. Eine Fahrrad-Friedenstour in Münster stand unter der Überschrift »Der Krieg beginnt hier«.

Baden-Württemberg

Unter dem Motto »Sagt Nein zu Krieg« kamen gut 500 Friedensaktivisten zur zentralen Kundgebung auf dem Stuttgarter Schlossplatz. In Baden-Württemberg ist der Waffenhersteller Heckler & Koch zu Hause, zudem sitzt die NATO-Kommandozentrale für Afrika in Stuttgart. Neben Ostermärschen in der Landeshauptstadt und in Ellwangen gingen auch in Mannheim mehr als 150 Friedensbewegte auf die Straße.

Berlin

Unter dem Motto »Krieg wird gemacht - wir stellen uns dagegen« sind am Samstag zahlreiche Bürger in Berlin auf die Straße gegangen. Nach Angaben der Veranstalter schlossen sich rund 1000 Menschen dem Ostermarsch an. Damit sei die Beteiligung etwas besser gewesen als im vergangenen Jahr, sagte Lühr Henken vom Bundesausschuss Friedensratschlag als einer der Sprecher. Angemeldet waren 2000 Teilnehmer. Verschiedene Bündnisse unterstützten den Marsch. »Die Stimmung ist gut.« Der Protest richtet sich dieses Jahr unter anderem gegen Atomwaffen, amerikanische Militärbasen in Deutschland und den Einsatz von Kampfdrohnen. Nach einer Auftaktkundgebung auf der Weidendammer Brücke wollten die Demonstranten zur Neuen Wache Unter den Linden ziehen. Dort war für den Nachmittag die Abschlusskundgebung geplant. Die Demonstranten hielten Schilder hoch mit Slogans wie »Keine Rüstungsexporten«, »Nein zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr« und »Macht endlich Schluss mit Rassismus, Militarismus, Faschismus, Krieg!«. Nach einer Auftaktkundgebung auf der Weidendammer Brücke ging der Marsch mit einem Lautsprecherwagen zur Neuen Wache Unter den Linden. Zwischendrin blieb der Wagen allerdings mitten auf einer Straßenbahnschiene liegen und musste abgeschleppt werden. Zu Behinderungen im Tramverkehr kam es laut BVG nicht. »Das war ein gelungener Ostermarsch mit vielen Teilnehmern«, sagte Henken. »Dank einer kleinen Aushilfsanlage konnte am Ende sogar die Abschlusskundgebung ohne Probleme stattfinden.«

Ohrdruf und Erfurt

»Krieg dem Krieg« - diesem Motto sind am Samstag knapp 200 Menschen bei Friedensmärschen in Ohrdruf (Kreis Gotha) und Erfurt gefolgt. Auf der traditionellen Friedensdemo in Ohrdruf forderten rund 80 Männer und Frauen, Kriege als Mittel der Politik auszuschließen. »100 Jahre nach Beginn des I. Weltkrieges und 75 Jahre nach Entfesselung des II. Weltkrieges muss von Deutschland ein starkes Zeichen des Friedens ausgehen«, sagte die Vorsitzende der Thüringer Linken, Susanne Hennig-Wellzow, in Ohrdruf. Deutschland sei der drittgrößte Rüstungsexporteur der Welt. Die Kleinstadt Ohrdruf und der Truppenübungsplatz am Rande des Thüringer Waldes sind alljährlich Ziel der Ostermarschierer. Auf dem Truppenübungsgelände hatte die SS zum Ende des II. Weltkrieges tausende Häftlinge des KZ Buchenwald unterirdische Stollen graben lassen. Die Demonstranten gedachten am Denkmal der Opfer. Am Nachmittag zogen rund 100 Kriegsgegner durch die Landeshauptstadt. Im Fokus des Protestes stand das 2013 eröffnete Logistik- und Dienstleistungszentrum der Bundeswehr in Erfurt. Das Logistikzentrum sei mehr als nur harmlose Verwaltung, hieß es. Um die internationale Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten, brauche es logistische Vorbereitung und Unterstützung.

Eine Übersicht über die
Ostermarsch-Aktionen vom Karfreitag - hier

Bekommen die Ostermärsche wieder Auftrieb?
Bewegung hofft auf mehr Zulauf, Forscher sind skeptischer - hier

Mainz und Wiesbaden

Beim Ostermarsch Mainz-Wiesbaden haben nach Angaben der Organisatoren am Samstag rund 300 Teilnehmer für die friedliche Lösung von Konflikten demonstriert. Die Teilnehmer zogen unter dem Motto »Für eine Welt ohne Krieg, Militär und Gewalt« durch die Wiesbadener Innenstadt. Bei einer Kundgebung hätten Redner die Bundesregierung aufgefordert, sich mit anderen Nationen für eine rasche Umsetzung des Friedensplanes für die Ukraine einzusetzen, sagte ein Sprecher. Es dürfe nun nicht darauf gewartet werden, dass erst die jeweilige andere Seite einen ersten Schritt mache.

Ramstein

An einem weiteren Ostermarsch um die US-Airbase in Ramstein (Kreis Kaiserslautern) beteiligten sich nach Angaben der Initiatoren am Samstag rund 80 Menschen. Hier forderten die Demonstranten einen Stopp des Drohnenkrieges, der von Ramstein aus geführt werde.

Duisburg

Mit einem Ostermarsch protestierten auch rund 200 Menschen in Duisburg gegen Krieg und Waffenhandel. »Die Friedensbewegung muss sich auf einen harten Kampf einstellen - bis hin zu Demonstrationen und Blockaden«, betonte Georg Rohrbach vom Bündnis »Solidarität International« mit Blick auf die Ukraine-Krise. »Die Beteiligung ist immer zu gering«, sagte Eberhard Przyrembel, der sich schon seit Jahrzehnten in der Friedensbewegung engagiert. »Am Ende des Ost-West-Konflikts fällt die Positionierung schwerer«, hat Thorsten Bonacker vom Zentrum für Konfliktforschung der Marburger Universität festgestellt. Die Friedensbewegung habe ihre politischen Forderungen immer vor allem an die westliche Seite gerichtet. Beim Ostermarsch in Duisburg bewegt nun der Ukraine-Konflikt die Gemüter - zwei »imperialistische Machtblöcke« stünden sich dort gegenüber, heißt es von Veranstalterseite. »Man kann mit Militär keinen Frieden schaffen«, so Przyrembel. Beim Ostermarsch Rhein/Ruhr in Duisburg forderte die Linken-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen vor 150 Teilnehmern den Austritt Deutschlands aus der NATO.

Leipzig und Chemnitz

Etwa 300 Menschen haben am Samstag beim Leipziger Ostermarsch gegen Kriege, für Abrüstung und Frieden demonstriert. Die Krisensituation in der Ukraine, der deutsche Rüstungsexport und die Auslandseinsätze der Bundeswehr waren Themen der Reden im Hof der Nikolaikirche, wie ein Vorstandsmitglied des Friedenszentrums Leipzig sagte. Dort wurde auch wieder ein Schwert zu einer Sichel geschmiedet. Es wird am Antikriegstag, dem 1. September, als 7. Leipziger Friedenspreis vergeben. Nach einem Osterspaziergang durch die Innenstadt endete die Kundgebung an der Peterskirche. Am Karfreitag waren in Chemnitz bei Regen etwa 150 Menschen für Frieden unterwegs. Mit rund 80 Demonstrationen, Kundgebungen, Radtouren und Festen will die deutsche Friedensbewegung zu Ostern gegen Krieg und Waffenhandel mobil machen - 100 Jahre nach Beginn des I. und 75 Jahre nach Beginn des II. Weltkrieges. Ostermärsche kamen während des Kalten Krieges als Protest gegen das atomare Wettrüsten auf. In der Bundesrepublik erlebten sie zwischen 1968 und 1983 ihre Höhepunkte mit Hunderttausenden Demonstranten.

Paderborn

In Paderborn sagte die Vorsitzende der katholischen Friedensorganisation Pax Christi, Wiltrud Rösch-Metzler, die Friedensbewegung sei nicht dagegen, dass Deutschland mehr globale Verantwortung übernehme. »Diese Verantwortung muss unsere Regierung aber mit Diplomatie, Kulturaustausch und Entwicklungszusammenarbeit wahrnehmen und nicht mit Militäreinsätzen«, betonte Rösch-Metzler vor mehreren Hundert Menschen. Länder wie Afghanistan oder Mali sollten nicht Krieg und Besatzung ausgesetzt werden, sondern »zivile Aufbauhilfe und internationale Wertschätzung« erfahren. Die Bundeswehr werde mehr und mehr dafür eingesetzt, »Wirtschaft und Wirtschaftswachstum zu schützen«, kritisierte die Pax-Christi-Vorsitzende. Agenturen/nd

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