Das Dreigestirn

In memoriam Hans Arno Joachim. Der jüdische Schriftsteller starb vor 70 Jahren in Auschwitz.

  • Von Antonín Dick
  • Lesedauer: ca. 11.0 Min.

Die deutsch-jüdische Schriftstellerfreundschaft zwischen Peter Huchel, Hans Arno Joachim und Alfred Kantorowicz beginnt Mitte der 1920er Jahre in Freiburg. Ein paar Jahre später,die drei sind etwa 30 Jahre alt, mieten sie sich in Berlin eine gemeinsame Wohnung – zwischen der Volksbühne, dem Avantgardekino Babylon und der KPD-Parteizentrale.

Drei Jungautoren - Hans Arno Joachim, Alfred Kantorowicz und Peter Huchel - beziehen 1930 eine gemeinsame Kleinwohnung am Bülowplatz, dem wichtigsten Berliner Brennpunkt der Klassenauseinandersetzungen, heute Rosa-Luxemburg-Platz. Abends, nach dem Schreiben, eilen sie die Treppe hinunter, mischen sich unter die leidenschaftlich diskutierenden Arbeiter und Arbeitslosen. »Wir stammen aus der besitzenden Klasse«, erklärt Joachim den Verwunderten. »Aber es steht uns zu, neben dem Arbeiter zu wohnen. Wir besitzen nicht mehr.« Nachts laden sie Hungernde und Kämpfende in ihre Wohnung ein, bewirten sie, diskutieren mit ihnen, machen sich Notizen, beginnen in den Morgenstunden wieder mit dem Schreiben. Eine der Eingeladenen, meine Mutter, die nahe dem Bülowplatz wohnt, wird mir später davon erzählen.

Voller Sympathie schaut Joachim auf den summenden Platz und diskutiert dennoch ganz unsentimental: »Wer Hunger hat, hat Grund zur Revolut...


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