Tschernobyl wird nicht vergessen

Viele Veranstaltungen zum Jahrestag des AKW-Unfalls

Mit zahlreichen Aktionen wird an diesem Wochenende in Deutschland an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl erinnert.

Viele ansonsten verschlossene Solar-, Wind- und Wasserkraftanlagen sind am Sonnabend für Besucher offen. Dies ist Teil der Veranstaltungen zum »Tag der erneuerbaren Energien«. Anfang kommender Woche führen zudem viele Schulen Projekttage zum Thema Energie und Technikfolgen durch.

Der 1996 initiierte Aktionstag erinnert an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Am 26. April 1986 war Block 4 des Kernkraftwerks nahe der ukrainischen Stadt Prypjat explodiert, wodurch riesige Mengen radioaktiver Stoffe freigesetzt wurden. »Tschernobyl steht als Symbol für die katastrophalen Konsequenzen einer Energieversorgung, die auf Kosten der Umwelt und der nachfolgenden Generationen wirtschaftet«, sagte Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. »Auch nach fast 30 Jahren besteht rund um den havarierten Reaktor im Norden der Ukraine eine Sperrzone, etwa von der Größe des Saarlandes.«

Die Anti-AKW-Bewegung erinnert an die Ereignisse mit bundesweit stattfindenden Gedenk- und Protestveranstaltungen, darunter an den AKW-Standorten Lingen, Grohnde, Neckarwestheim und Biblis. Die Aktion am Atomkraftwerk Brokdorf wird überschattet von einem »meldepflichtigen Ereignis«. In der Anlage sei es zu einem Kurzschluss in einer Schaltanlage des Zwischenkühlsystems gekommen, teilte das Umweltministerium von Schleswig-Holstein am Freitag mit. Die Atomaufsicht habe das Ereignis als »sicherheitstechnisch weniger bedeutsam« eingestuft.

Ebenfalls am Tschernobyl-Jahrestag startet die Umweltorganisation Greenpeace vor dem französischen AKW Fessenheim eine Schiffstour gegen überalterte Atomkraftwerke in Europa. »Das Risiko wächst mit dem Alter der Atomanlagen«, erklärte Susanne Neubronner, Atomexpertin von Greenpeace. Acht Wochen lang wird die »Beluga II« auf Rhein und Mosel in die Regionen alter AKW in Deutschland, Frankreich, Luxemburg und der Schweiz fahren sowie in 14 Städten Halt machen.

Auf die Auswirkungen des Atomunfalls in Tschernobyl wies das Umweltinstitut München hin. Diese seien noch immer gravierend, auch in weiter entfernten Regionen. So wiesen in Deutschland heimische Pilze sowie Wildfleisch nach wie vor teilweise sehr hohe Cäsium-Werte auf. Bei Wildschweinen aus der Region Cham (Oberpfalz) wurden zuletzt nach Angaben des bayerischen Landesamtes für Umwelt immer noch Spitzenwerte von gut 9800 Becquerel pro Kilogramm für radioaktives Cäsium 137 gemessen. Das Fleisch muss als Sondermüll entsorgt werden. Der nach dem Reaktorunfall festgesetzte Grenzwert liegt bei 600 Becquerel.

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