Werbung

»Der Öffentliche Dienst pfeift aus dem letzten Loch«

10 000 Menschen auf traditioneller DGB-Demonstration

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 2 Min.
Auf der Kundgebung am Brandenburger Tor standen die Europawahlen im Fokus. Der stellvertrende Berliner DGB-Vorsitzende Christian Hoßbach forderte zudem eine vernünftige Personalpolitik für Berlin.

Die rote Nelke als Symbol der internationalen Arbeiterbewegung durfte auch an diesem 1.Mai in Berlin nicht fehlen. Bei frühlingshaften Temperaturen beteiligten sich gestern wieder mehrere tausend Menschen an der traditionellen Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in der Hauptstadt. Unter dem Motto »Gute Arbeit. Soziales Europa« führte die Route vom Hackeschen Markt über die Oranienburger Straße bis vor das Brandenburger Tor. Teilnehmer trugen Transparente mit Aufschriften wie »Mindestlohn-Würde kennt keine Ausnahmen« und »Gute Löhne, Gute Arbeit, faires Europa«. Parallel führten ein Motorrad-und Fahrradkorso zum Platz des 18. März, wo die Abschlusskundgebung mit anschließendem Kinderfest stattfand. Neben der Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn ohne Ausnahmen lag der inhaltliche Schwerpunkt der Gewerkschaftsdemo in diesem Jahr auf den am 25. Mai stattfindenden Wahlen zum Europäischen Parlament. Redner betonten immer wieder die Wichtigkeit eines wirtschaftlich starken und sozial gerechten Europas für die Arbeitnehmer und riefen zur engagierten Stimmabgabe auf. »Noch nie waren die Europawahlen so wichtig wie dieses Mal. Die europäische Politik hat eine so große Reichweite bekommen, dass wir sie nicht einfach den Marktradikalen und Nationalisten überlassen dürfen«, sagte die IG-Metall Vorstandsvorsitzende aus Frankfurt, Irene Schulz unter großem Applaus.

Schulz forderte zudem den Stopp der bisherigen Sparpolitik und des Abbaus sozialer Errungenschaften in der Europäischen Union (EU) sowie ein sofortiges Investitionsprogramm zur Bekämpfung der vor allem in den südlichen Mitgliedsstaaten grassierenden Arbeitslosigkeit. »Wir brauchen einen klaren sozialen Kurswechsel«, so Schulz.

Neben Grünen und Linkspartei zeigte auch die SPD am Tag der Arbeit Flagge. Neben der Berliner Europakandidatin, Sylvia-Yvonne Kaufman, beteiligte sich auch der Berliner Landesvorsitzende, Jan Stöß, an der Demonstration. »Es gilt, für faire Löhne, eine gesicherte Zukunft und ein solidarisches und soziales Europa auf die Straße zu gehen«, so Stöß.

Themen, die speziell den Gewerkschaftskollegen in Berlin unter den Nägeln brennen, brachte der stellvertrende Berliner DGB-Vorsitzende, Christian Hoßbach, zur Sprache: »Der Öffentliche Dienst pfeift aus dem letzten Loch. Der Senat muss endlich eine vernünftige Personalpolitik betreiben und die Beamtengehälter dem Bundesniveau anpassen«, so Hoßbach. Der Gewerkschafter betonte die Wichtigkeit einer neuen städtischen Wohnungspolitik, die vor allem den Neubau für untere und mittlere Einkommen zum Ziel hat. Genau wie Europa könne eben auch eine internationale Metropole wie Berlin nur mit sozialer Gerechtigkeit funktionieren.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser:innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede:n Interessierte:n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor:in, Redakteur:in, Techniker:in oder Verlagsmitarbeiter:in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung