Ganz die Tochter ihres Vaters

Die Leipziger Stadträtin Margitta Hollick nennt einen Nazi einen Nazi

  • Von Hendrik Lasch
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Im Jahr 1934 wurde Hermann Luft von einem Leipziger Gericht die »Ehrenrechtswürde« abgesprochen. Als Kommunist, so befanden die Richter, habe er nichts in der Wehrmacht verloren; zudem sollte er sich dreimal in der Woche bei der Polizei melden. Schon in den Jahren zuvor hatte Luft, der sich in der KPD und im Metallarbeiterverband engagierte, wegen seiner politischen Aktivitäten in Haft gesessen. Eine abschreckende Wirkung hatte das nicht. Luft gehörte zu den Widerständlern der Gruppe um Georg Schumann, die sich Sabotageakte zurechnete, sowjetische Kriegsgefangene unterstützte und Flugblätter verteilte. Sie flog auf; am 19. Juli 1944 wurden zwölf Mitglieder verhaftet. Sechs von ihnen wurden zum Tod verurteilt, sechs wurden freigesprochen, weil es an Beweisen mangelte. Unter ihnen war Luft.

Genau 80 Jahre später saß an diesem Donnerstag Margitta Hollick in Saal 218 des Amtsgerichts Leipzig auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Sie s...

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