Die Friedensbewegung trifft sich montags

Der Attac-Aktivist Pedram Shahyar erklärt, warum er an den viel kritisierten neuen Montagsdemos trotzdem teilnimmt

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Das Wichtigste gleich zu Beginn: Ich habe entschieden, mich aktiv an den Montagsmahnwachen in Berlin zu beteiligen. Die ablehnende Haltung einiger Linker halte ich für falsch und fatal.

Der Konflikt in der Ukraine schreit nach einer Friedensbewegung. Doch während die traditionelle Friedensbewegung im Art Koma liegt und die organisierten Linken bis auf eine kleine Spontandemo in Kreuzberg nichts organisiert bekommen, hat sich hier aus der Initiative einer Einzelperson eine ganze Welle von Protestaktionen entwickelt.

Tausende Menschen haben bisher an den Mahnwachen teilgenommen. Ein Riesenphänomen sind sie in in Sozialen Netzwerken. Die Facebook-Gruppe wächst täglich und steht momentan bei 15.000 Mitgliedern. Sie sind die aktuelle Friedensbewegung, und werden sich in den nächsten Wochen weiter ausbreiten.

Die Kritik, die Montagsmahnwachen seien von einem rechten Diskurs bestimmt, ist falsch. Sicher: Es gibt Argumentationsmuster, die nach rechts offen sind. Vor allem am Anfang waren Linke kaum präsent. Die Rolle von Rednern wie Jürgen Elsässer konnte so unwidersprochen aufgebauscht werden. Dennoch: So real die Gefahr einer rechten Dominanz in dieser Bewegung auch ist, sie wird völlig überschätzt.

Worum es den meisten Teilnehmern geht ist Frieden und Gewaltfreiheit – auch im Umgang miteinander. An vielen Orten sind bereits Akteure aus der Linken und der Friedensbewegung an der Organisation der Mahnwachen beteiligt. Einzelne können hier einen großen Unterschied machen. Die Stimmung auf der Berliner Mahnwache, die ich zweimal besucht habe, bevor ich an diesem Montag als Redner auftreten werde, war alles andere als rechts. Das Publikum erinnerte mich eher an die Aktionen von Occupy.

Es ist ein immer wiederkehrendes Problem organisierter Linker, Anschluss an spontane Mobilisierungen zu finden, die nicht aus ihrem Milieu entstanden sind. Dies war bereits bei den Montagsdemos gegen Hartz IV 2004 der Fall, ebenso wie bei Occupy. Diese spontanen Mobilisierung entstammen Milieus, die sich durch keinen traditionellen Organisationen repräsentiert fühlen. Sie finden sich vor allem über Soziale Netzwerke - eine Welt, die die organisierte Linke zu oft aus kulturkritischen Argumenten oder Angst vor Überwachung ignoriert.

Doch nicht nur hier hat die Linke den Anschluss längst verloren. Der Vorwurf der verschwörungstheoretischen Verwirrung gegenüber den Mahnwachen-Teilnehmern zeigt, wie der Diskurs nach NSA-Affäre und WikiLeaks völlig an der organisierten Linken vorbeigegangen ist. Ebenso hilflos zeigt sich die Linke gegenüber einer spirituellen »Neuen Innerlichkeit« in diesem Milieu, die stark auf innere Werte und Normen im Umgang miteinander setzt.

Auch darin liegt ein genuines und gesundes Element von modernen sozialen Bewegungen, die die Lebenswelt in den Mittelpunkt rücken. Die Linke kann den Dialog mit diesem Milieu verweigern und sicherlich weiterhin kleine Erfolge feiern. Menschen jenseits ihrer eigenen Strukturen wird sie so allerdings nicht erreichen.

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