Postdramatischer Kunsthonig

Theatertreffen Berlin: Die Münchner Kammerspiele zeigen »Fegefeuer in Ingolstadt«

  • Von Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Das Saallicht blitzt, aber noch ohne Donner. Der eiserne Vorhang fährt in die Höhe, dahinter öffnet sich ein weißer Raum. Man denkt an Georg Trakls »Psalm«, darin gibt es einen Raum, den sie, wie er schreibt, mit Milch getüncht haben. Weiß wie der Tod. Der Raum ist eher eine enge Kammer, Grabkammer für Untote. Ein einziges Fenster, davor eine Gardine, ebenfalls weiß. Vielleicht ist es auch eine Zelle, für Mönche oder Verbrecher.

Es herrscht Schweigen - bis zum nächsten der nun regelmäßig hereinbrechenden Lichtblitze, denen immer eine Dunkelphase vorweggeht, ebenso ein lautes Geräusch, als zöge man die Decke von einem Technokeller weg. »Ich höre es nicht, wenn du schreist, der Abstand ist zu groß.« Das sagt Clementine (Anna Maria Sturm) zu ihrer Schwester Olga (Cigdem Teke). Letztere ist schwanger, aber so naturalistisch will diese Inszenierung von Susanne Kennedy an den Müchner Kammerspielen nicht verstanden werden. Über ihre ...


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