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Öko? Nomisch!

Miriam Meckel wird Chefredakteurin der »Wirtschaftswoche«

Der jüngste Blogeintrag auf der Homepage von Miriam Meckel liest sich rückblickend wie ein Bewerbungsschreiben. Die Publizistin und Kommunikationswissenschaftlerin gab ihrem am 25. März geposteten Beitrag den Titel »Biojournalismus«. Die Bewerbung verlief erfolgreich. Zwar wurde Meckel (46) nicht an die Spitze des Magazins »Landleben« berufen, dafür aber von der Verlagsgruppe Handelsblatt (Holtzbrinck) als künftige Chefredakteurin der »Wirtschaftswoche« vorgestellt. In der 88-jährigen Geschichte der Zeitschrift soll sie die erste Frau in dieser Position werden. Am 1. Oktober übernimmt sie die Redaktionsleitung von Roland Tichy.

Trotz ihres »Bio«-Blogs steht nicht zu erwarten, dass die »Wirtschaftswoche« statt knallharter Marktanalysen künftig über ökologischen Landbau berichten wird. Nichts dergleichen nämlich versteht die amtierende Direktorin am St. Gallener Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement unter »Biojournalismus«. Stattdessen ist ihr Text ein Plädoyer für menschengemachte (Bios = Leben) Qualitätmedien in Zeiten, da die automatisierte Texterstellung rasante Fortschritte macht. »Biojournalismus«, für den »dann immer mehr Menschen bereit« sind, »auch mehr zu zahlen«, schreibt Meckel, werde zum »Differenzierungskriterium in einem weitgehend technisierten und standardisierten Medienmarkt, geprägt durch Haltung, Stil und individuelles Erzählen«. Dass der Journalismus der Zukunft sich digital profilieren muss, ist Meckel bewusst - und willkommen: »Es sind die Informationen selbst, um die es geht.«

Meckel, Tochter eines Düsseldorfer Theologen und Lebensgefährtin von Anne Will, war TV-Moderatorin, bevor sie Professorin wurde. Unter den SPD-Ministerpräsidenten Clement und Steinbrück arbeitete sie als Staatssekretärin und zeitweilige Regierungssprecherin in NRW. Sie ist parteilos, engagiert sich aber in der wirtschaftsliberalen »Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft«. Als Buchautorin wurde sie für ihren Burnout-Titel »Brief an mein Leben« bekannt. Jetzt brennt sie wieder - für den neuen Job.

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