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Wiedersehen mit alten Meistern

Filmfestspiele Cannes

  • Von Barbara Schweizerhof , epd
  • Lesedauer: 3 Min.

Auf seinem Plakat lässt das Filmfestival von Cannes traditionell den Blick in die Vergangenheit schweifen. In diesem Jahr zeigt es eine Nahaufnahme von Marcello Mastroianni aus Federico Fellinis Film »8 1/2«. Verschmitzt schaut Mastroianni über eine Sonnenbrille hinweg den Zuschauer an. Das Bild stehe für ein freies und weltoffenes Kino, heißt es dazu. Mastroianni habe in seinen Filmen stets das verkörpert, was innovativ, nonkonformistisch und poetisch sei. Es ist klar, dass es diese Kinotradition ist, die man fortsetzen möchte.

Ebenso klar scheint, dass dieses innovative und nonkonformistische Kino nicht in Deutschland vermutet wird. Erneut findet sich kein genuin deutscher Film im offiziellen Programm; Deutschland taucht allein als koproduzierendes Land auf. Fatih Akin hat aus nicht näher erläuterten Gründen seine Bewerbung zurückgezogen, noch bevor die Auswahl verkündet wurde. Immerhin ist die deutsche Regisseurin Angela Schanelec als eine von 13 Filmemachern im Omnibusfilm »Bridges of Sarajevo« vertreten, der aus Anlass des Gedenkens an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren produziert wurde und in einer Sondervorführung in Cannes präsentiert wird.

Doch wer sich vom Anspruch »innovativ und nonkonformistisch« die Entdeckung neuer Namen und neuer Kinoländer verspricht, erlebt beim Blick auf das Programm eine herbe Enttäuschung. Es sind fast ausschließlich Veteranen des Weltkinos, die Cannes hier versammelt hat, mithin Regisseure, deren cineastische Innovationen schon etwas in die Jahre gekommen sind. So ist etwa mit dem 83-jährigen Jean-Luc Godard im Wettbewerb ein Altmeister vertreten, der seinen Nonkonformismus bereits vor über 50 Jahren (»Außer Atem«, 1960) bewiesen hat. Wobei man Godard zugute halten muss, dass er sich seither nie Konventionen angepasst hat und sein neues Werk »Adieu au langage« tatsächlich zu jenen gehört, von denen man nicht weiß, was man erwarten soll.

Anders etwa als bei den britischen Regiealtmeistern Ken Loach und Mike Leigh, auch sie ihres Zeichens Nonkonformisten mit langen Dienstjahren. Loachs »Jimmy’s Hall« wird als letzter Film des 77-Jährigen angekündigt, und man kann davon ausgehen, dass er einmal mehr soziales Engagement ehrt, genauso wie man sich beim 71-jährigen Mike Leigh und seinem Biopic »Mr. Turner« über den Maler des 19. Jahrhunderts auf feine dramatische Setzungen und gutes Schauspiel freuen darf.

Die einzige Hoffnung auf echte Überraschung liegt beim franko-kanadischen Wunderkind Xavier Dolan, der mit seinen 25 Jahren tatsächlich einer der jüngsten je im Cannes-Wettbewerb vertretenen Regisseure ist. Dass es sich bei »Mommy« bereits um seinen fünften Film handelt, unterstreicht aber den Hang zum Bewährten in Cannes eher.

Das 67. Filmfestival an der Côte d'Azur findet vom 14. bis 25. Mai statt. Die Jury wird von der neuseeländischen Regisseurin Jane Campion, 59, geleitet. Eröffnet wird das Festival am heutigen Mittwochabend mit dem Biopic »Grace de Monaco«, in dem Nicole Kidman Fürstin Gracia Patricia verkörpert.

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