Hockeytrainer fordern Reform

Erstmals seit 1971 droht WM-Aus vor dem Halbfinale

  • Von Andreas Morbach, Den Haag
  • Lesedauer: 3 Min.
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In einem Punkt hat sich Markus Weise definitiv gebessert. Nach Niederlagen war der Bundestrainer der deutschen Hockeyspieler früher zwei Tage lang ungenießbar. Mittlerweile hat der 51-jährige Perfektionist diese Zeitspanne auf einen Dreivierteltag verkürzt. Das trifft sich gut - denn bei der laufenden WM in Den Haag steht sein Team so schlecht da wie lange nicht: Die amtierenden Olympiasieger, Europa- und Vizeweltmeister müssen vor dem letzten Gruppenspiel gegen Südkorea auf eine Niederlage der Argentinier gegen Südafrika hoffen, um durchs Hintertürchen doch noch ins Halbfinale zu huschen.

Sehr viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass Weises Mannschaft das Halbfinale bereits verpasst hat, wenn sie am Dienstag um 13 Uhr zu ihrem Tagwerk schreitet. Zu dem Zeitpunkt hat Argentinien seine Partie gegen Schlusslicht Südafrika bereits absolviert. Ein dunkles Szenario für den DHB mit historischem Ausmaß: Es wäre nach der Premiere 1971 in Spanien erst das zweite Mal, dass die deutschen Männer ein WM-Halbfinale verpassen.

Deutschlands Frauen müssen seit dem 1:4 gegen die USA am Sonntag nicht mehr zittern, der Traum von einer Medaille ist für die Europameisterinnen bereits passé. Für den ehrgeizigen Bundestrainer Jamilon Mülders ein passender Anlass, dem eigenen Verband ins Gewissen zu reden.

Der immer vollere Terminkalender, der durch den recht einzigartigen deutschen Hang zum Hallenhockey zusätzlich belastet wird, ist dem Weltmeister von 2002 ebenso ein Dorn im Auge wie dem Kollegen Weise. Doch Mülders missfällt nicht nur das pralle Programm: »Wir brauchen mehr Zeit, mehr Länderspiele und mehr Geld«, fasst der in Berlin lebende Niederländer zusammen. Der Mangel an nachrückenden Eckenspezialistinnen ist in Deutschland ohnehin lange bekannt, doch bei der Pleite gegen die USA wurde zudem wieder deutlich, dass auch Stürmerinnen von Spitzenformat fehlen. Der erstaunlich große Jubel über das 1:4 durch die Hamburgerin Kristina Hillmann sprach Bände.

Mülders wünscht sich nun eine »sachliche« Analyse der WM-Auftritte seines Teams. »Wir wollen etwas verändern, damit haben wir begonnen. Aber ich bin gespannt, wie manche Leute jetzt schreien und meinen Kopf fordern werden«, sagt der 38-Jährige.

Neben Sportdirektor Heino Knuf weiß er vor allem auch Verbandschef Stephan Abel auf seiner Seite. »Diese Situation ist ein Grund, Dinge zu verändern«, schloss der DHB-Präsident aus den WM-Auftritten der deutschen Teams. Dazu zählt neben der von Markus Weise (»Die Eventverkaufsmaschinerie wird gerne angeworfen«) angeprangerten Ausweitung des internationalen Terminkalenders und dem Umgang mit der Hallensaison auch die Zusammenarbeit zwischen Klubs und Nationalteams.

Ein heikles Thema, wie Maximilian Müller im Gespräch mit »nd« erklärt. »Noch haben wir mit der Nationalmannschaft genug Trainingsmöglichkeiten - auch wenn die Bundesliga an diesem Zustand immer wieder gräbt«, erwähnt der Kapitän der DHB-Auswahl und warnt: »Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird sich das auf Dauer sicher bemerkbar machen. Denn Leistungen, wie wir sie in den vergangenen Jahren gezeigt haben, sind nur mit einer sehr gut eingespielten Mannschaft möglich.«

Männer, Gruppe B Deutschland - Niederlande 0:1 Neuseeland - Deutschland 3:5 Frauen, Gruppe B Deutschland - Argentinien 0:3 USA - Deutschland 4:1

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