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Schon immer Weitererzähltheater

«Figurentheater Grashüpfer» feiert in seinen 30. Geburtstag

Ein romantischer Ort. Singvögel sind auf Bäumen und Büschen vor der Glastür gelandet. Ungeduldig erwarten sie, dass sich die Tür schließt und sie in «ihrem» Terrain zwischen Haus und «Jurte» wieder herumpicken können. Theaterchefin Sigrid Schubert schleppt Kisten mit Holzscheiten herein. Seien gestern erst gehackt worden, erklärt sie. Tür zu.

Ehrenamtlich. Das Wort schwebt über dem kleinen, nur ein paar Schritte vom S-Bahnhof im Treptower Park gelegenen Figurentheater Grashüpfer mit der Postadresse Puschkinallee 16a. Märchenhaft bewacht von riesigen alten, knorrigen Bäumen, wirkt es. Liebe zur Kunst ist Antrieb für den Förderverein, der es betreibt. Trotzdem. In solch einem Theater seien 100 000 Kleinigkeiten zu erledigen. Der Bezirk ermöglicht deshalb aus knappem Budget die Stelle für eine Mitarbeiterin, die Organisatorisches übernimmt. Die gute Seele heißt Frau Schmidt.

Es ist Freitag. Die drei kleinen Kisten Holz werden abends fürs Feuer in der Jurte gebraucht, sollen etwas trocknen. In die Jahre gekommen, wurde die Jurte längst durch ein Pfadfinderzelt ersetzt. Der Name blieb. Seit zehn Jahren werden im «Figurentheater Grashüpfer» Märchen am Feuer erzählt. Diese alte Kunst ist etwas Besonderes. Jeder der Erzähler - momentan sind es sieben, darunter Frau Schubert - lässt auf seine Art Bilder vor den Augen der Zuhörer entstehen.

Gebaut wurde das Häuschen, in dem heute Grünflächenamt und Puppenbühne Wand an Wand agieren, in der DDR für Theater anderer Art. Man ließ es unauffällig errichten, um ausländische Gäste nach dem Besuch des Treptower Ehrenmals zu bewirten und im Intershop einkaufen zu lassen. Alles Geschichte. Aus dem Laden wurde 1997 der kleine Theatersaal mit 70 Plätzen. Drei mal vier Meter groß ist die Bühne. Daneben abgeteilt ein Streifen für die Künstler zum Schminken und Umziehen. «Grashüpfer» ist Spielstätte für neun professionelle Puppenspielkünstler oder -gruppen. Alle haben vier bis elf Stücke im Repertoire. Wenn der Förderverein den Spielplan zusammenstellt, will er alle zwei bis vier Mal im Jahr berücksichtigen.

Was hier geschehe, sagt Sigrid Schubert, sei immer Auseinandersetzung zwischen Puppe und Mensch. Mal ist die Puppe Chef, mal der Spieler, der sichtbar bleibt oder sich unsichtbar macht. Eine Sache der Fantasie. Nach den Vorstellungen können Kinder bleiben, inspiriert vom Stück malen, basteln oder selbst Theater spielen. Kunst machen lassen sei das, sagt Frau Schubert. Spiel und Nachspiel betrachtet sie als Gesamtheit. Bei Stücken für Erwachsene ist das Nachspiel das Weitersagen. «Grashüpfer war schon immer ein Weitererzähltheater!»

Das Figurentheater feiert 2014 seinen 30. Geburtstag. Frau Schubert erzählt von anfänglichen Proben der damaligen Amateure in Privatwohnungen, einem Kirchenkeller, einer gesperrten Hinterhofwohnung. Sie müssen hart gearbeitet haben. 1984 gastierten sie schon beim UNIMA-Festival in Dresden und wurden bei den Arbeiterfestspielen mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Die Puppenspieler beschlossen deshalb, das als Gründungsjahr zu nehmen.

Gefeiert wird der 30. Geburtstag seit Beginn dieses Jahres. Start war im März mit einem Sonderprogramm zum Welterzähl-, Weltpuppentheater- und Welttheatertag. Der zweite Streich folgt in diesen Tagen (12. bis 15. und 19. bis 26. Juni), der dritte dann im August mit der «Festivalwoche »30+«, vertreten durch den »Puppenpool«. Es müsse die neue Generation an die Macht, lacht Frau Schubert. Sie sei fit und habe eigene Stücke im Repertoire. Doch sei es Zeit, dass die jungen Leute übernehmen.

Zwischen all den Festsachen geht der Theateralltag weiter. Der Spielplan ist voll. Selbst bei Hitze im Sommer. Unter den alten Bäumen bleibt es kühl.

Figurentheater Grashüpfer, Puschkinallee 16a, Treptow, Tel.: (030) 53 69 51 50; www.theater-grashüpfer.de

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