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Verwickelt und ziemlich spannend

Leena Lehtolainen: »Das Nest des Teufels«

Wenn Krimis ganz unterschiedliche, nicht zusammenhängende Verbrechen zu einem einzigen Spannungsbogen formen, kommt es auf Übersichtlichkeit an. Der finnischen Autorin Leena Lehtolainen gelingt das auch in ihrem dritten Roman über die Leibwächterin Hilja Ilveskero. »Das Nest des Teufels« beginnt im Schweizer Wintersportort Leysin. Dorthin begleitet Hilja die vor ihrer Vermählung stehende Julia Gerbolt. Deren Vater ist ein weißrussischer Waffenhändler, der aus einem teilweise gescheiterten Geschäft mit einem waffenfähigen radioaktiven Isotop noch eine Rechnung mit Hiljas früherem Geliebten David offen hat.

Das ist der Hauptstrang des Romans, der den Leser bis zum glänzend inszenierten Showdown in der finnischen Heimat Hiljas bei der Stange hält. Mut, Pfiffigkeit und Klugheit führen schließlich zum keineswegs unblutigen Erfolg der »guten Sache«.

Zwischen den Aufgaben des Personenschutzes für Julia und der nur versteckt möglichen Liebe zu David hat Hilja oft eine schwere Wahl zu treffen. Hinzu kommt ein anderes, Problem: Ihr Vater ist seit 30 Jahren in einem psychiatrischen Krankenhaus eingeschlossen. Er hatte ihre Mutter getötet und bei einem Ausbruch aus der Anstalt eine junge Frau vergewaltigt, die ein Kind von ihm bekam.

Jetzt steht eine »Entlassung auf Probe« bevor, der Hilja mit großen und - wie sich bald zeigt - berechtigten Befürchtungen entgegensieht. Im Mittelteil des abwechslungsreichen Buches kommt es zu einer lebensgefährlichen Begegnung zwischen diesem Vater und seinen beiden Töchtern, die sich als Halbschwestern erst über diese Bedrohung kennenlernen. Auch hier: Spannung, die nur durch Mut und Besonnenheit aufgelöst wird.

Ein dritter Schauplatz ist die Bodenspekulation um ein finnisches Naturparadies, an der Julias künftiger Ehemann zentral beteiligt ist. Hier geht es um die Bestechung von Politikern, die dem Planungsvorhaben ihren »demokratischen« Segen geben sollen. Dass Julias Vater ein ganz anderes Interesse an diesem Gebiet hat, das in der Vergangenheit einmal an die Sowjetunion verpachtet gewesen ist und das er aus seiner Kindheit in Erinnerung hat, wird erst nach und nach klar.

Manche »Altlasten« der verdeckt arbeitenden Ermittler, ein angeblich pädophiler Mönch und die emotionalen Erinnerungen Hiljas an einen Luchs, den sie gezähmt und als Haustier gehalten hatte, lockern die verwobenen Stränge zusätzlich auf, so dass ein unterhaltsames, an vielen Stellen spannendes Buch entsteht, das die Kette der skandinavischen Krimis, die hierzulande so viel Erfolg haben, um ein weiteres Glied erweitert.

Finnland ist Ehrengast der nächsten Frankfurter Buchmesse und präsentiert sich bereits jetzt von einer spannenden, aber auch literarisch gelungenen Seite.

Leena Lehtolainen: Das Nest des Teufels. Thriller. A. d. Finn. v. Gabriele Schrey-Vasara. Kindler. 444 S., geb., 19,95 €.

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