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Korporierte Karrieremacher

Burschenschaften werben mit guten Netzwerken / Protest gegen Burschentag in Eisenach

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Burschenschaften, werben damit, dass ihre Mitglieder Zugang zu scheinbar verborgenen Karrierenetzwerken erhalten. Das ist weder ganz falsch noch ganz richtig.

Die Mitglieder von Burschenschaften bilden Netzwerke und Seilschaften. Diese Vorstellung ist inzwischen fast zu einem Klischee geworden. Eines, an dessen Bewahrung die Burschenschafter selbst aktiv mithelfen. So manche Studentenverbindung wirbt ausdrücklich damit. Die Burschenschaft Danubia München zum Beispiel lässt auf ihrer Webseite verlauten, unter ihren Bundesbrüdern befänden sich Richter, Rechtsanwälte, Bauingenieure, Mediziner, Physiker, Historiker und Lehrer. Und weiter: »Unsere Alten Herren haben jungen Bundesbrüdern auch immer wieder Praktika und Nebentätigkeiten in ihren Unternehmen vermittelt. Dies sind entscheidende Vorteile gegenüber nicht korporierten Kommilitonen, die sich ohne diese Hilfe durchs Studium schlagen müssen.« Viele Burschenschafter selbst halten dieses Klischee und die Werbung damit allerdings für überstrapaziert - auch wenn sie das Werben ganz rechter Burschenschaften mit diesen Netzwerken mit Sorge erfüllt.

Einer, den solche Sätze aufhorchen lassen, ist der ehemaliger Burschenschafter und Sprecher der Initiative »Burschenschafter gegen Neonazis«, Christian J. Becker. Er sagt, mit derartiger Werbung reagierten vor allem äußerst rechte Studentenverbindungen auf zunehmende Nachwuchsprobleme, die sie infolge der scharfen öffentlichen Kritik an ihnen hätten. Und nicht nur er hält zum Beispiel Danubia München für eine Vereinigung, die extrem weit rechts der politischen Mitte steht. Die Burschenschaft findet sich auch im aktuellen Bayerischen Verfassungsschutzbericht wieder. Dort heißt es, Mitglieder der Verbindung agierten revisionistisch und propagierten »einen übersteigerten Nationalismus im völkischen Sinne«.

Diese politische Ausrichtung vieler, wenn auch längst nicht aller Burschenschaften im deutschsprachigen Raum ist ein Grund dafür, dass die Deutsche Burschenschaft (DB) so umstritten ist. Dem Dachverband und seinen Mitgliedsburschenschaften wird seit Langem vorgeworfen, gegen rechte Umtriebe in den eigenen Reihen nicht offensiv genug vorzugehen, ja diese sogar zu befördern. Zuletzt hatten viele Verbindungen deshalb ihren Austritt aus der DB erklärt. Nach Angaben der Initiative »Burschenschafter gegen Neonazis« sind aktuell noch etwa 60 Burschenschaften aus Deutschland und Österreich in der DB organisiert. Vor einigen Jahren seien es noch deutlich mehr als 100 gewesen. Die DB selbst reagierte auf eine Anfrage zum Burschentag 2014 und ihrer aktuellen Mitgliederstruktur nicht.

Ob die Netzwerke, mit denen vor allem rechte Burschenschaften so offensiv werben, allerdings in der Praxis wirklich so wirkungsvoll sind, wie von ihnen behauptet wird, ist in der Burschenszene umstritten. David Kerl, Mitglied der Burschenschaft Arminia Marburg, etwa sagt, er wisse nichts von »Netzwerken« oder »Seilschaften«; schon gar nichts von geheimen. Richtig sei, dass die jungen Mitglieder der Vereinigungen - die sogenannten Füchse - durch die Burschenschaften und deren ältere Mitglieder Unterstützung während des Studiums und auch beim Berufseinstieg erhielten. Die sogenannten Alten Herren gäben zum Beispiel Geld für den Unterhalt der Immobilien der Burschenschaften oder für neue Bücher. Zudem seien sie bei der Suche nach Praktikumsplätzen behilflich. »Wir sehen uns als aufgeklärte Patrioten, die jüngere Mitglieder bei einer umfassenden Ausbildung unterstützen«, sagt er. »Wir wollen keine Fachidioten.«

Ähnlich sieht es auch Peter Gelbach, Mitglied der Burschenschaft Marchia Bonn. Die Unterstützung von Burschen durch Burschen reiche in der Regel nur bis zum Berufseinstieg, nur selten darüber hinaus, sagen beide. Ohnehin sei es in der modernen Arbeitswelt nicht nur unmöglich Menschen, deren Qualifikation nicht ausreichend sei, über irgendwelche vermeintlich dunklen Netzwerke auf wichtige Posten zu hieven - solche Versuche fielen auch auf die Burschenschaften zurück. Zudem widerspreche ein solches Verhalten ohnehin den Grundüberzeugungen von Burschenschaftern. »Als Burschenschaften treten wir dafür ein, dass jemand selbst Verantwortung für sein Leben übernimmt«, sagt Kerl.

Dass die Netzwerke der Burschenschaften also zwar nicht geheim und übermächtig, aber eben doch auch nicht zu unterschätzen sind, ist für liberale Burschenschafter wie Kerl und Gelbach eine der ganz wesentlichen Begründungen dafür, sich auch aktiv von stramm konservativen oder gar rechtslastigen Verbindungen abzugrenzen. »Es wäre für uns«, sagt Kerl, »absolut unverantwortlich, wenn wir einen der rechten Gesellen in die Mitte der Gesellschaft hieven würden.« Seine Burschenschaft ist schon Anfang der 1990er Jahre aus der DB ausgetreten. Marchia Bonn trat im Dezember 2011 aus.

Die verbleibenden rund 60 Mitgliedsorganisationen der Deutschen Burschenschaft aus Deutschland und Österreich feierten am vergangenen Wochenende in Eisenach ihren Burschentag. Es ging ruhiger zu als im Vorjahr. Am Samstag zog im vierten Jahr in Folge eine feministische und antifaschistische Demonstration durch Eisenach, um gegen die rechten Burschen zu protestieren. Zwar konnten die Korporierten wieder ihren traditionellen Fackelmarsch abhalten und am Ende alle Strophen des Deutschlandliedes absingen. Auf die Wartburg durften sie indes erstmalig nicht.

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