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Erinnerung an Imre Nagy

Fünf Präsidenten gedachten des Aufstands von 1956

Budapest. Gemeinsam mit den Präsidenten Ungarns, Tschechiens, Polens und der Slowakei nahm Bundespräsident Joachim Gauck am Montag an einer Kranzniederlegung in der ungarischen Hauptstadt teil, um an den 16. Juni 1989 zu erinnern. Damals wurde Imre Nagy, der hingerichtete Ministerpräsident des antisowjetischen Aufstands von 1956, in Budapest neu beigesetzt. Hunderttausende Menschen gedachten an jenem Tag der bis dahin tabuisierten Ereignisse von 1956.

»Dieser Tag handelte auch von der gemeinsam erlittenen Vergangenheit der Ungarn, von ihren nie versiegenden Hoffnungen«, sagte der ungarische Staatspräsident János Áder bei der Feier. Die »Hoffnung auf Freiheit, auf ein Ende der Diktatur« sei auch von den Ostdeutschen und den anderen »im Gefängnis des kommunistischen Blocks eingeschlossenen Völkern« geteilt worden, fügte der Präsident hinzu.

Gauck besuchte anschließend die Gedenkstätte »Haus des Terrors« in Budapest. Dort kündigte er ein Kooperationsprojekt mit der Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin an. Mit seinen Amtskollegen Andrej Kiska (Slowakei), Bronislaw Komorowski (Polen), Janos Ader und Milos Zeman (Tschechien) erinnert Gauck in diesen Monaten an Schlüsselereignisse und -orte des Jahres 1989. Das erste Treffen der Gruppe fand am 4. Juni in Warschau statt, am Jahrestag der ersten teilweise freien Wahlen in der Volksrepublik Polen. Weitere Treffen sind in Bratislava, Prag und Leipzig geplant.

Gauck geht es auch darum, das Ende der DDR in den Zusammenhang der mittel- und osteuropäischen Freiheitsbewegungen zu stellen. Für ihn markiert die Leipziger Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 mehr als die Grenzöffnung in Berlin einen Monat später den Durchbruch der »friedlichen Revolution« gegen die »kommunistische Herrschaft«. »Bevor die Mauer fallen konnte, musste die Freiheit errungen werden«, sagte Gauck. »Vor der Einheit kam die Freiheit.«

Die Erinnerungsfeier in Budapest fällt zusammen mit wachsender internationaler Kritik an der ungarischen Regierung, der ein massiver Demokratieabbau vorgeworfen wird. Der rechtskonservative Ministerpräsident Viktor Orbán, der vor 25 Jahren als Sprecher der Universitätsjugend den Abzug der in Ungarn stationierten sowjetischen Truppen gefordert hatte, geht mit Gesetzen, Sondersteuern und politischem Druck gegen unabhängige Medien und gegen die Zivilgesellschaft vor. Orbán war am Montag nicht in Budapest. dpa/nd

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