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Impulse für eine neue Ordnung der Welt

Martin Ling über den G77-Gipfel im bolivianischen Cochabamba

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Die Medien des Nordens straften den G77-Gipfel mit ziemlicher Missachtung. Eine seltsame Haltung, wenn man bedenkt, dass am Wochenende in Cochabamba ein Staatenzusammenschluss tagte, dem nicht weniger als 133 UNO-Staaten angehören, darunter Schwergewichte des Globalen Südens wie China und Brasilien.

Die Botschaft von Cochabamba dürfte dem Norden freilich auch kaum schmecken. Boliviens Präsident Evo Morales, der seit der Regierungsübernahme im Jahr 2006 beweist, dass eine Stärkung der Rolle des Staates durchaus mit positiver wirtschaftlicher Entwicklung inklusive Haushaltsüberschüssen vereinbar ist, redete Klartext. UNO-Sicherheitsrat und Internationaler Währungsfonds gehörten abgeschafft, Spekulationsgewinne und exzessive Reichtumsakkumulation begrenzt und das globale Finanzwesen in einer Art neu gestaltet, die die Erfordernisse der Länder des Globalen Südens priorisiere, um Entwicklung voranzutreiben.

So vernehmlich haben die G77 seit den 70er Jahren nicht mehr eine neue Weltwirtschaftsordnung eingefordert. Das spricht für gewachsenes Selbstvertrauen und das hat eine reale Grundlage: Viele Länder des Globalen Südens haben nach verlorenen Jahrzehnten in diesem Jahrtausend kräftig aufgeholt.

Auf komplementärer und solidarischer Basis solle der Globale Süden seine Industrialisierung gemeinsam vorantreiben, lautet Morales Vorschlag. Davon sind allerdings auch die G77 noch weit entfernt, denn auch dort reproduzieren sich oft Handelsstrukturen Rohstoffe gegen Fertigprodukte, bei denen die Rohstofflieferanten auf Sicht immer den Kürzeren ziehen, weil der Großteil der Wertschöpfung in der Verarbeitung liegt. Die Impulse von Cochabamba lohnen nichtsdestotrotz, vertieft zu werden.

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