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Warm-up mit den Rolling Stones

Der Berliner Pop-Chor »Fabulous Fridays« geht auf Tour

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Bei ihrem jüngsten Berlinkonzert zauberten die Rolling Stones eine besondere Zugabe aus dem Hut: Nach zwei Stunden dreckiger, schweißtreibender Rockmusik schwebte wie kühlender Nieselregen ein engelsgleicher Chorklang durch den Kessel der Waldbühne. Das waren die Fabulous Fridays, der Jazz-Pop-Chor der Universität der Künste.

Für ihre aktuelle Tournee waren die Rolling Stones auf den charmanten Einfall gekommen, in jeder Stadt einen ortsansässigen Chor auf die Bühne holen, der dann den Titel »You Can’t Always Get What You Want« bereichert. Das ist das einzige Stück, das die Band jemals zusammen mit Chor im Tonstudio aufgenommen hat; es erschien auf dem 1969-er Album »Let It Bleed«.

Nun wurde erstmals auch die Live-Version mit Chor aufgeführt. In Berlin hat Michael Betzner-Brandt, der Dirigent der Fabulous Fridays, wochenlang mit den jungen Sängern geprobt. Die 20 Mitglieder der a-cappella-Truppe treffen sich freitags; daher der Name des Chors.

Betzner-Brandt, der Chorleitung an der Universität der Künste lehrt, betätigt sich auch anderweitig als kreativer Musikvermittler. So leitet er einen Pop-Chor für über Sechzigjährige und veranstaltet im Friedrichshainer Radialsystem monatlich den »Ich-kann-nicht-singen-Chor«.

Doch der Auftritt bei einem Rockkonzert stellt auch einen derart erfahrenen Chorleiter vor Herausforderungen: Schließlich müssen die Fabulous Fridays mitten im Getöse von Gitarre, Schlagzeug und tobenden Fans die Tonhöhe halten - da hilft auch der über Ohrhörer eingespielte Einsatzton nur bedingt. Einfach zu singen ist der Stones-Titel auch nicht. Das Intro bestreiten die Sänger ohne Begleitung aus dem Kaltstart; später müssen sie einen sehr hohen Ton über mehrere Takte hinweg halten.

»Wir haben das gut gemeistert, obwohl der Song für uns sehr hoch liegt«, erzählt Anne-Marie Mücke, die Jazzgesang studiert. Dabei hatten die Sänger vor ihrem Auftritt schon einen anstrengenden, sommerheißen Tag hinter sich. »Wir trafen mittags an der Waldbühne ein und wurden dann zu unserem Backstage-Bereich gefahren«, sagt die Sängerin. »Dort haben wir lange gewartet und für uns geübt; zwischendurch gab es eine Bühnenprobe.«

Von Komponisten wird die Formation des Jazzchors ein wenig vernachlässigt. So dachte Jack Nitzsche, der für die Rolling Stones das Chor-Arrangement von »You Can’t Always Get What You Want« schrieb, ursprünglich an eine Gospelgruppe. Doch da auf die Schnelle keine aufzutreiben war, lud er - was wohl eher als Gag gemeint war - den Londoner Bach Chor ins Studio ein.

Als Chorleiter lässt sich Michael Betzner-Brandt Einiges einfallen, um mit den Fabulous Fridays 20 Konzerte im Jahr zu gestalten. Der Chor kooperiert mit Komponisten und Arrangeuren; außerdem rief er den Kompositionswettbewerb »Gebt uns Noten« ins Leben. Die neuen Chorstücke erscheinen auf CD und als Notenband.

Originelle Neukompositionen enthält auch das Plattendebüt der Fabulous Fridays, »An einem Freitag in Berlin«, das allerlei hauptstädtische Orte porträtiert. Hier hört man den pfiffigen Song »Dönerchicken« oder eine Jazz-Version von »Bolle reiste jüngst zu Pfingsten«. Experimentierfreudig geben sich die Fabulous Fridays auch auf der CD »Extended Works«, die Popgesang mit klassischen Formen wie der Motette vereint. Ihr vielfältiges Repertoire präsentieren die Sänger bei einer Tournee, die ab 20. Juni durch Berlin, Leipzig und Dresden führt. Im Juli geht es dann nach Riga zu den World Choir Games, dem größten Chorwettbewerb der Welt.

Die vielfältigen Begegnungen und Einflüsse sind für die Musikstudenten eine wichtige Inspirationsquelle. Anne-Marie Mücke wirkt noch Tage nach dem Waldbühnenkonzert hellauf begeistert von der Begegnung mit den Rolling Stones. »Überraschend wurden wir in ein kleines Partyzelt zu einer akustischen Probe gebeten«, erzählt die Gesangsstudentin. »Wir standen einen Meter neben Mick Jagger und den Musikern, die ganz professionell und bodenständig an die Sache herangingen. Für mich war das der Höhepunkt des Tages.«

Schließlich wurde es ernst: Eine halbe Stunde vor dem Auftritt begab sich der Chor in den Backstage-Bereich. »Wir gingen im Dunkeln auf die Bühne. Dann erstrahlte das Meer von Scheinwerfern und wir sahen die Menschenmasse. Das werde ich nie vergessen«, sagt Anne-Marie Mücke. Der Song »You can’t always get what you want« war die vorletzte Zugabe. Fast neun Minuten stand der Chor auf der Bühne. Danach ging alles ganz schnell. Den Schlusstitel des Abends erlebten die Fabulous Fridays dann noch im Publikum.

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