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Ganz alte Schule

Artur Fischer hat nicht nur den Dübel erfunden. Nun wurde er geehrt

  • Von Velten Schäfer
  • Lesedauer: 2 Min.

Jeder weiß, wie lästig es sein kann, eine Schraube in die Wand zu kriegen - noch schlimmer wäre es allerdings ohne Dübel! Schon insofern haben auch Normalbürger allen Anlass, sich bei Artur Fischer zu bedanken. Auch wenn ein aus Hanfschnur und Tierblut bestehender Frühdübel schon 1911 patentiert wurde, darf der Tüftler aus dem Schwarzwald als Vater des heute gängigen »Spreizdübels« aus Kunststoff gelten.

Nicht nur für diesen 1958 auf den Markt gebrachten »S-Dübel« aus Nylon verdient der 1919 geborene Schneidersohn jene Auszeichnung für sein Lebenswerk, die ihm jetzt im Rahmen des »Europäischen Erfinderpreises« in Berlin verliehen wurde. Erfunden hat Fischer auch den Synchronblitz für Fotoapparate und die »Fischertechnik«-Baukästen, mit denen Generationen westdeutscher Kinder ihre eigenen technischen Ideen umsetzten. Insgesamt hat sich Fischer in seinem Erfinderleben rund 1100 Patente gesichert.

Im Vergleich zu Zeiten, in denen etwa die Gründer von Instagram mit einem Programm Milliardäre wurden, das nichts anderes kann, als digitale Fotos vergilbt wirken zu lassen, sind Fischers Alltagsbasteleien die alte Schule. Das gilt auch für deren Produktion und Vermarktung: In den Fischerwerken, deren Holding im Waldachtal sitzt, arbeiten heute über 4000 Beschäftigte, fast 2000 tatsächlich noch vor Ort - einer der viel beschworenen heimlichen Riesen aus der Südwestprovinz. Ein Unternehmen, in dem Arbeitnehmer noch alt werden können.

Ganz alte Schule ist freilich auch Fischers Führungsstil. Wenn die Zeitungen korrekt berichten, geht er noch heute täglich in die Firma - und hält sich keineswegs für zu betagt, um auf deren Geschicke Einfluss zu nehmen. Mit seiner schwerbehinderten Tochter Margot Fischer-Weber dagegen soll der Patriarch laut diesen Berichten lange Jahre nur per Anwalt kommuniziert haben. Man habe sie, die diesen Vertrag gar nicht recht verstanden habe, einen totalen Erbverzicht unterschreiben lassen, klagt die Tochter - auf ihrer Internetseite »fischerfratze.de«.

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