Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

»Spiel für uns, Brasilien!«

Mit dem 4:1 über Kamerun versöhnt sich die Seleção mit den Fans - nicht nur dank Neymar

  • Von Christoph Ruf, Brasilia
  • Lesedauer: 3 Min.
Zartes Pflänzchen, wachse: Im dritten Spiel der WM überzeugt Brasilien endlich auch spielerisch. Eine zu große Abhängigkeit der Seleção von Neymar sieht Trainer Scolari dabei nicht.

Der »Correo Brasiliense« hatte schon am Morgen keinen Zweifel am Ernst der Lage gelassen: »Jogai por nos, Brasil« (»Spiel für uns, Brasilien!«) hatte die auflagenstarke Tageszeitung aus Brasilia getitelt und damit bei Felipe Scolari das ungute Gefühl verstärkt, dass sein Team den Erwartungshaltungen der Nation nicht gewachsen sein könnte. Die verlangt nicht nur den Titel - sondern begeisternde Spiele vom ersten Turniertag an.

Am Montagabend, um kurz vor Mitternacht deutscher Zeit, konnte sich der sachliche Coach zufrieden zurücklehnen. Fast 70 000 Fans feierten seine Mannschaft, die nach dem 4:1 gegen Kamerun als Gruppenerster ins Achtelfinale einzieht. Wie stark Brasilien dabei spielte, dürfte auch die Vertreter der internationalen Presse überrascht haben, die nach den Spielen gegen Kroatien (3:1) und Mexiko (0:0) Spott und Hohn über der Seleção ausgekippt hatten.

Offenbar zu Unrecht, denn, was die Brasilianer gegen heillos überforderte Kameruner zeigten, war technisch raffinierter Tempofußball auf höchstem Niveau. Angetrieben vom Wolfsburger Luiz Gustavo rollte Angriff nach Angriff aufs Kameruner Tor, immer wieder rochierten Neymar, Oscar und Hulk dabei im offensiven Mittelfeld. Angreifer Fred ließ sich immer wieder zurückfallen. Die Freiräume nutzten dafür Defensivspieler wie Gustavo, der das 1:0 durch Neymar vorbereitete (17.) oder Innenverteidiger David Luiz, der mit einer tollen Einzelleistung das 3:1 von Fred (49.) einleitete. Dass es nach dem zweiten Tor Neymars (34.) und dem 4:1 durch Fernandinho (84.) bei vier Treffern blieb - der Schalker Matip hatte den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1 erzielt (26.) -, wunderte angesichts der drückenden Überlegenheit seiner Mannschaft nicht nur Scolari: »Wir hätten auch sieben oder acht Tore schießen können.«

Der Mann des Tages fand das Ergebnis hingegen zweitrangig: »Das war unser bestes Spiel bisher, jetzt können wir selbstbewusst ins Achtelfinale gegen Chile gehen«, sagte Neymar. Der 22-Jährige führt mit vier Treffern die Torschützenliste an und hat beste Aussichten, dem Turnier seinen Stempel aufzudrücken.

Kein Wunder, dass seinem Trainer dann auch prompt die Frage gestellt wurde, die derzeit unter den brasilianischen Anhängern am meisten diskutiert wird: Die, ob das brasilianische Angriffsspiel nicht zu sehr von ihrem Stürmerstar abhänge: »Nein«, fand Scolari, »das hängt nicht mehr von ihm ab als das der Argentinier von Lionel Messi.« Der tolle Auftritt seiner Elf dokumentiere vielmehr die Weiterentwicklung im bisherigen Turnierverlauf. »Es ist wie bei den Pflanzen: Was wir heute säen, ernten wir morgen. Die Natur hat ihren Rhythmus und macht keine Sprünge.« Manchmal fehle es den Medien und den Fans schlicht an Geduld.

Die zählt bei manchem Funktionär im kamerunischen Fußballverband überhaupt nicht zu den Urtugenden. Fünf Trainerwechsel gab es bei den angeblich »unzähmbaren Löwen« innerhalb der vergangenen fünf Jahre. Legt man die zunehmend aggressiven Fragen der kamerunischen Journalisten und die Statements von Altstars wie Roger Milla (»inkompetent«) zugrunde, dürfte Volker Finke keine Zeit mehr bekommen, seinen bis 2015 datierten Vertrag zu erfüllen. Er selbst schien nach dem Spiel niedergeschlagen. »Auf Weltniveau reicht unsere Leistung nicht. Es müsste noch viel aufgebaut werden.« Das stimmt, »unzähmbar« waren seine Spieler zuletzt ausschließlich bei den Prämienverhandlungen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln