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Paritätischer warnt vor »Lawine von Altersarmut«

Wohlfahrtsverband geht von weit mehr als einer Million Grundsicherungsbezieher aus / Schneider: Große Koalition hat beim Thema einen »blinden Fleck«

Berlin. Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt vor einer »Lawine von Altersarmut« ab den 2020er Jahren. Gegenüber der »Neuen Osnabrücker Zeitung« sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer der Organisation, man gehe »davon aus, dass die Zahl derer, die im Alter auf Grundsicherung angewiesen sein wird, dramatisch ansteigen wird, von jetzt rund 465.000 auf weit mehr als eine Million. Darauf muss sich die Politik dringend einstellen.« In zehn Jahren würden jene Jahrgänge in den Rentenbezug kommen, die besonders stark von Langzeit- und Mehrfacharbeitslosigkeit betroffen gewesen sind. Schneider verwies jedoch darauf, dass der Koalitionsvertrag von Union und SPD beim Thema Altersgrundsicherung einen »blinden Fleck« aufweise. Die Schätzungen der Bundesregierung zur Entwicklung der Grundsicherung im Alter kritisierte der Sozialexperte als »ziemlich optimistisch«. Die Bundesregierung erwartet, dass diese Ausgaben bis zum Jahr 2018 um 1,7 Milliarden auf 7,2 Milliarden Euro ansteigen werden.

In dieser Woche war bekannt geworden, dass immer mehr Ältere auch jenseits des gesetzlichen Rentenalters weiter arbeiten. So gab es Ende September 2013 bundesweit 855 510 Minijobber über 65 Jahre, wie eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigt, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Das waren 42 200 mehr als ein Jahr zuvor und sogar mehr als 270 000 mehr als 2003. Rund 142 000 Minijobber waren sogar älter als 74 Jahre, zeigt die BA-Statistik.

Laut Schneider will der Paritätische im Sommer eine Offensive zur Reform der Altersgrundsicherung starten. Damit sollen unter anderem die Anhebung der Hartz-Regelsätze von 391 auf mindestens 460 Euro und bessere Hinzuverdienstmöglichkeiten im Alter durch Einführung neuer Freibeträge gefordert werden. »Die ersten 100 Euro Zuverdienst bleiben gänzlich frei, was drüber geht, wird prozentual angerechnet«, so Schneider. Er schlug zudem gegenüber dem Blatt vor, die Abwicklung der Altersgrundsicherung der Rentenversicherung zu übertragen. nd/mit Agenturen

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