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Selbstverwaltung soll bleiben

Gericht vertagt Entscheidung zur Übergangsgeschäftsführung bei VIO.ME

  • Von John Malamatinas
  • Lesedauer: 2 Min.

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Die Zukunft der selbstorganisierten Firma VIO.ME in Thessaloniki wird momentan vor Gericht verhandelt. Es geht um die Frage, wer bei der insolventen Muttergesellschaft das Sagen hat.

VIO.ME (Viomichaniki Metalleftiki) wurde 1982 als eine von drei Tochterfirmen der Unternehmensgruppe Filkeram gegründet, die der Familie Filippou gehört. Sie stellte chemische Baumaterialien her und lieferte in ganz Griechenland. 2006 zählte sie noch zu den 20 erfolgreichsten Unternehmen Nordgriechenlands. Doch von einem Tag auf den anderen machte sich die Chefetage aus dem Staub und meldete im Mai 2011 Konkurs an. In der Zwischenzeit wurde Christina Filippou, Besitzerin des Mutterkonzerns, wegen Nichtzahlung von Lohn zu zwei Gefängnisstrafen verurteilt.

Nach dem Konkurs erwogen die unbezahlten Arbeiter die Selbstverwaltung, die schließlich mit 97 Prozent der Stimmen angenommen wurde. Seitdem halten sie die Fabrik besetzt und VIO.ME entwickelte sich zu einem Symbol der Selbstorganisierung in ganz Europa. Die Produktion wurde auf umweltfreundliche Reinigungsmittel für den Hausgebrauch umgestellt, die heute in sozialen Zentren und auf informellen Märkten ohne Zwischenhändler zum Verkauf angeboten werden.

In den vergangenen Monaten kämpften die ArbeiterInnen um die volle Legalisierung ihres Betriebs. Mit der Anmeldung einer Kooperative wurde der erste Schritt bereits gemacht. Aber die ungeklärten Besitzverhältnisse der Vergangenheit holten sie ein. So hat die gerichtlich eingesetzte Insolvenzverwalterin von Filkeram eine Übergangsführung vorgeschlagen, die aus Mitgliedern der alten Fabrikbesitzer bestehen soll. Ziel ist nach Ansicht der ArbeiterInnen und von Solidaritätsgruppen aus Thessaloniki die Schließung des Betriebes, um die riesigen Schulden gegenüber dem Staat, den Versicherungen und der Stromgesellschaft zu bedienen. Die ArbeiterInnen würden dann ohne Abfindung entlassen werden.

Über die Frage einer Übergangsführung wird seit Dienstag vor Gericht gestritten. Die Basisgewerkschaft von VIO.ME präsentierte dort einen Gegenvorschlag. Er beinhaltet die Installierung einer temporären Leitung mit folgenden Aufgaben: Abwendung der Betriebsschließung, Erforschung der Ursachen von Misswirtschaft bei Filkeram und Realisierung eines Plans zur vollen Wiederaufnahme der Fabrikarbeit. Die Gewerkschafter warfen den alten Besitzern zudem vor, die Schulden des Mutterkonzerns auf VIO.ME umgeleitet zu haben, weshalb diese Fabrik auch nicht dafür gerade stehen müsse. Außerdem hätten die ArbeiterInnen mit persönlichem Einsatz die Ausrüstung, Maschinen und Rohstoffe vor ihrer Entwertung schützen müssen.

Die Entscheidung des Gerichts wird in etwa drei Monaten erwartet. Bis Freitag dieser Woche haben die Anwälte beider Parteien noch Zeit, zusätzliche Beweise zu vorzulegen.

Vor dem Gerichtsgebäude in Thessaloniki versammelten sich zahlreiche Unterstützer. Bereits am 1. Juli hatte es einen landesweiten Aktionstag für die VIO.ME-ArbeiterInnen gegeben - an der zentralen Demonstration in Thessaloniki nahmen Hunderte Menschen teil.

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