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Prof. Flaig und sein »Rotz im Taschentuch«

Proteste anlässlich einer Emeritierung in Rostock

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Neu-rechte Ideologie an der Rostocker Universität? Anlässlich der Pensionierung des Althistorikers Prof. Dr. Egon Flaig veranstaltet eine Gruppe Geschichte-Studierender aus Protest ein »studentisches Gegenkolloquium«. Dem Wissenschaftler wird unter anderem vorgeworfen, ein »neu-rechter Kulturkämpfer« zu sein, der die Singularität des Holocausts mit der Singularität des »Rotzes im Taschentuch« vergleiche.

Folgt man den Stellungnahmen der Universität Rostock, dann müsste eigentlich alles in Ordnung sein. »Egon Flaig ist einer der profiliertesten Historiker Deutschlands, der über die Grenzen seines Faches hinaus bekannt und tätig ist« heißt es in der Einladung zur Veranstaltung »Politische Anthropologie in Antike« zu Ehren Flaigs am kommenden Sonntag.

Dagegen regt sich Protest an der Universität. Eine Gruppe Studierender lud in dieser Woche zu einen »Studentischen Gegenkolloquium« ein. Die veranstaltenden Studierenden befürchten laut ihrer Ankündigung, dass bei »der erwartbar einseitigen universitären Jubelveranstaltung« am Wochenende Flaigs »kulturalistischer Populismus« ausgeblendet werden wird.

Aber was hat es mit den Vorwürfen gegen den Althistoriker auf sich? In ihrer Veranstaltung im Rostocker Jugend-Alternativ-Zentrum (JAZ) führten die Studierenden ihre Kritik am Wirken Flaigs in und außerhalb der Universität vor rund 30 Teilnehmenden und einer Handvoll Burschenschaftler aus. Flaigs »Methode« zeichne sich vor allem dadurch aus, dass er zweifelhafte Prämissen aufstellen würde und diese ohne weitere Begründung nutze. Als Belege würden ihm Beispiele dienen, die er bei Sprüngen durch die Weltgeschichte einsammle. Punkte, die ihm nicht in seine politischen Ziele passten, würden oftmals einfach per Definition ausgeschlossen. Die ReferentInnen stellten heraus, dass Flaigs Menschen- und Gesellschaftsbild elitär und exklusiv sei. Er konstruiere in seinen Veranstaltungen aufgrund seines konservativen Weltbildes oftmals Feindbilder, so häufig »den Islam«.

Mit Verweis auf den Historiker-Streit plädiere Flaig dafür, in einer deutschen Nationalgeschichte nicht nur die zwölf Jahre des Nationalsozialismus, sondern auch die angeblichen guten Beispiele aus der »tausendjährigen Geschichte« des deutschen Reiches zu sehen. Das Bedürfnis nach einer Schlussstrich-Mentalität gehe laut den Veranstaltern so weit, dass er die Singularität des Holocausts mit der Singularität des »Rotzes im Taschentuch« vergleiche. Konkret wird Flaig im Internet mit den Worten zitiert: »Wer wird bestreiten, daß das Warschauer Ghetto ›singulär‹ war? Aber jede einzelne Krankheit meines Großvaters war es ebenso. Sogar der Rotz in meinem Taschentuch ist singulär (...).«

Anschließend luden die VeranstalterInnen die Teilnehmenden zu einer Textlektüre ein. Dabei beschäftigten sie sich in Kleingruppen mit dem Manuskript des Beitrages von Flaigs Ringvorlesung »Geschichte als Wissenschaft«. Während der Gruppenarbeit konnte eine Vielzahl der genannten Kritikpunkte in den Texten festgemacht werden. »Es ist skandalös, wie in Rostock ein Hochschullehrer seine Position fast unwidersprochen nutzen kann, um seine rechten Thesen unter die Leute zu bringen!« resümierte einer der Teilnehmenden seinen Eindruck.

Kritische Essays mit Verweis auf Flaig-Originalquellen haben die OrganisatorInnen des Gegenkolloquium veröffentlicht unter: www.gegenkolloquium.blogsport.de

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