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Olympiade der Idioten

Die letzte Show von Monty Python wird live in deutschen Kinos gezeigt

Eine solch göttliche Strafe für unverhohlenen Militarismus wünscht man auch Bundespräsident Joachim Gauck nicht. Im Film »Der Sinn des Lebens« von Monty Python erklärt ein General die Unverzichtbarkeit der Armee: »Ohne die Möglichkeit der Verteidigung des eigenen Standpunktes gegen aggressive Ideologien werden Mäßigung und Vernunft verschwinden. Darum werden wir immer eine Armee brauchen. Und möge Gott mich hier und jetzt niederstrecken, sollte das nicht der Wahrheit entsprechen!« Im nächsten Moment wird der eloquente Kriegstreiber vom Blitz getroffen.

Die Szene bündelt, was die britische Truppe - mit der Bezeichnung »Komiker« völlig unzureichend beschrieben - seit 1969 ausmacht: Schwarzer Humor, Pazifismus, Blasphemie. Die smarte, mal dadaistische, mal konkret politische, aber immer irgendwie extreme und vor allem sehr weltliche Blödelei der Comedy-Anarchisten wird von den fanatischen Anhängern längst selber fast religiös verehrt. Das mag so absurd sein wie der legendäre Sketch zur trotteligen Spanischen Inquisition, passt darum aber auch schon wieder.

Nach 34 Jahren Pause haben sich sich die fünf betagten Überlebenden des Sextetts zu einer letzten Bühnenshow durchgerungen: Seit Anfang Juli lassen John Cleese, Eric Idle, Terry Jones, Terry Gilliam und Michael Palin den tödlichen Käsekauf, das Lied des schwulen Holzfällers, die Speisekarte voller »Spam« und natürlich den toten Papagei nochmals aufleben. »Eine ziemlich versaute und abstoßende prä-posthume Gedenkveranstaltung«, wie sie ankündigten.

Die Tickets für die begehrtesten Shows des jungen Jahrhunderts waren innerhalb von 44 Sekunden weg. Wem das zu schnell ging, der bekommt nun eine zweite Chance: Der letzte Auftritt wird am 20. Juli live in ausgewählte deutsche Cinemaxx-Kinos übertragen und als Stream online bei Arte gesendet.

Die Herren nehmen den Mund auch auf ihre alten Tage noch ziemlich voll: »Ist es nicht schrecklich schön, einen Penis zu haben?«, schmettern sie von der Bühne - gönnen sich bei der Show aber auch zahlreiche Verschnaufpausen, während denen als Video-Einspielungen die fußballspielenden Philosophen und die Olympiade der Idioten ihre Renaissance feiern - ebenso wie Graham Chapman (Titelrolle in der Jesus-Persiflage »Leben des Brian«), der 1989 an Krebs starb und dem von seinen Weggefährten oft mehr oder weniger respektvoll Tribut gezollt wird: »Er gab den Löffel ab, ging über den Jordan, biss ins Gras. Gute Erlösung, Du schmarotzender Bastard!«

Wer am Ende immer noch noch nicht genug hat, wird von den Gentlemen wie in guten alten »Flying-Circus«-Tagen hinauskomplimentiert: »Piss Off!«

20.7., 20 Uhr, Cinemaxx-Kinos in diversen Städten oder im Arte-Stream; www.concert.arte.tv

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