Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Vom Wunderkind zum armen Lottogewinner

Millionäre sollen Schulden des Ex-Karstadt-Chefs zahlen

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 2 Min.
Drei Millionen Euro Schulden hat Ex-Karstadt-Chef Thomas Middelhoff angehäuft. Damit sie am Ende nicht noch mehr zahlen müssen, wollen 40 Millionäre dafür aufkommen.

Wenn derzeit abertausende Karstadt-Beschäftigte um ihren Job zittern, verdanken sie das auch einem »Wunderkind«, das als Retter kam, dann den Konzern zerschlug und den verbliebenen Warenhauskern in die Pleite führte: Thomas Middelhoff. Dem Manager, lange ein geschwätziger Liebling der Medien, steht nun selber das Wasser bis zum Hals. Der Ex-Chef von Arcandor (KarstadtQuelle) hat mehr Schulden als bislang bekannt: Bei der Sparkasse Köln/Bonn stehen seine Beteiligungen an Esch-Immobilienfonds mit drei Millionen Euro in der Kreide. Deutsche Millionäre sollen nun dafür aufkommen.

Middelhoff und seine Frau Cornelie hatten sich über die spätere Fast-Pleite-Privatbank Sal. Oppenheim an Immobilienfonds des dubiosen Bauunternehmers und Investors Josef Esch beteiligt. Er galt als graue Eminenz bei Oppenheim, deren intakte Reste 2009 von der Deutschen Bank geschluckt wurden. Bis heute ermitteln Staatsanwälte und Richter innerhalb dieses Klüngels. Dabei geht es oft um gegenseitige Vorwürfe wegen Untreue oder Korruption: So hatte Esch seinerseits Middelhoff bei seinen Arcandor/Karstadt-Aktivitäten finanziell unterstützt. Was Middelhoff nicht davon abhielt, später Bank und Bauunternehmer auf Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe wegen angeblicher Falschberatung zu verklagen. Esch klagte zurück.

Einen Großteil seiner millionenschweren Managergehälter hatte Middelhoff in Esch-Immobilienfonds investiert. Bei diesen handelt es sich um geschlossene Fonds. Das heißt, wenn es schlecht läuft, müssen alle Anteilseigner Kapital nachschießen. Middelhoff, der längst das heimatliche Bielefeld mit einer Villa in Saint-Tropez getauscht hat, kann nun angeblich nicht zahlen. Damit wären die Fonds insolvent, es drohte ein dreistelliger Millionenverlust. Um dies zu verhindern und mit einem blauen Auge davon zu kommen, überlegen nun 40 Multi-Millionäre, die Anteile des längst ungeliebten schwarzen Schafes Middelhoff zu übernehmen. So sollen noch größere Verluste durch eine Pleite der Esch-Fonds verhindert werden.

Zu den Middelhoff-Geschädigten gehören dem Vernehmen nach illus- tre Namen der deutschen Wirtschaftsgeschichte wie Madeleine Schickedanz (Quelle), Schuhunternehmer Heinz-Horst Deichmann und Bankier Wilhelm von Finck junior.

Unternehmerspross Middelhoff hatte seine Karriere beim Mediengiganten Bertelsmann begonnen. Der Versuch des »Wunderkindes« , die Eigentümerfamilie Mohn zu entmachten und an der Börse ein großes Rad zu drehen, endete mit seiner Entlassung. Auch Ausflüge ins Investmentbanking - Middelhoff: »wie ein Lottogewinn« - nach dem Rauswurf bei Arcandor blieben für den Lautsprecher der deutschen Wirtschaft nur Randepisoden. Am Ende scheint der »Amerikaner mit deutschem Pass« sich selbst verzockt zu haben.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln