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Antifa war gestern, heute ist Kapitalismuskritik

Ist Antifa ein Auslaufmodell? Die Autonome Antifa Frankfurt am Main richtet sich neu aus

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»Kritik und Praxis« statt »Autonome Antifa« - die Umbenennung der Gruppe steht für eine Neuausrichtung linksradikaler Politik in Krisenzeiten. Die Rahmenbedingungen haben sich verändert.

Über Organisierung wird in der außerparlamentarischen Linken derzeit viel diskutiert. Mit der Neuen Antikapitalistischen Organisation (NAO) wurde jüngst ein neues bundesweit agierendes Bündnis gegründet. Die Interventionistische Linke (IL) erwägt, ihre einzelnen Gruppen in eine große Organisation zu überführen, und auf dem Berliner Antifakongress wurde im April über die neuen Herausforderungen für eine linksradikale, antifaschistische Politik in Zeiten der Krise und des stärker werdenden Rechtspopulismus in Europa diskutiert.

Ein weiterer Schritt in diesem Prozess ist die Umbenennung der Autonomen Antifa Frankfurt. Die Gruppe will in der Mainmetropole und darüber hinaus künftig unter dem Namen Kritik und Praxis auftreten. Damit ist auch eine inhaltliche Neuausrichtung der 2003 gegründeten Gruppe verbunden, die paradigmatisch die Anforderungen an eine Veränderung der bisherigen Antifa-Bewegungspolitik zum Ausdruck bringt. Das Konzept eines revolutionären Antifaschismus der 1990er Jahre, der Antifa als systemkritische Zuspitzung verstand, wurde stückweise von der Wirklichkeit überholt: von den Menschenketten der Mehrheitsgesellschaft über immer schlechter funktionierende Nazimobilisierung, den im Bestsellermodus aufkommenden Rechtspopulismus à la Sarrazin bis zu den jüngsten erdrutschartigen Wahlerfolgen rechter und nationalistischer Parteien in Europa.

Auch die Rahmenbedingungen für eine linksradikale und antirassistische Politik haben sich grundlegend verändert. Es gehe, so Kritik und Praxis in ihrer Verlautbarung zur Umbenennung der Gruppe, nun um den »Rassismus der Mitte (…) im Kontext des aktuellen Kapitalismus«. In der Krise werden auch zur Rechtfertigung der Austeritätspolitik immer wieder rassistische Stereotypen bedient. Kritik und Praxis will einen »klareren Fokus« und eine »neue Arbeitsstruktur«, die eine »Verbesserung der gesellschaftlichen Wirksamkeit linksradikaler Politik« ermöglichen. Sie will sich nun auch vermehrt jenen Gruppen öffnen, die »nicht aus dem klassischen sozialen Milieu des linken Aktivismus« stammen. Politische Beliebigkeit soll es aber auch nicht sein.

Denn nur im zivilgesellschaftlichen Raum zu intervenieren, bedeute auch immer, die Verhältnisse zu reproduzieren, die es abzuschaffen gilt. Gleichzeitig ende die reine Ideologiekritik leider regelmäßig in einem identitären Abgrenzungsmodus. Diesen Spagat zwischen linker Gesellschaftskritik und einer praxisorientierten Politik hinzubekommen und die derzeitigen »Risse in der Hegemonie« der krisengeschüttelten kapitalistischen Herrschaft auszunützen, dürfte aber nicht gerade einfach sein. Angesichts der sich internationalisierenden Proteste setzt Kritik und Praxis auf einen Ausbau der internationalen Vernetzung. Das nächste anstehende Protestgroßereignis in Frankfurt ist die für Anfang 2015 geplante Eröffnung der EZB. Ob sich aus dem Ansatz von Kritik und Praxis wirklich eine Perspektive für eine Transformationslinke entwickeln lässt, muss sich noch erweisen.

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