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»Hinreichend unrealistisch«

Christin Odoj über ein Schwimmbad mitten in Berlin

In der Hitze der Großstadt einfach mal die Beine in der Spree baumeln zu lassen, vielleicht sogar einen Sprung ins Wasser an der Museumsinsel zu wagen, was für eine Erlösung bei Temperaturen jenseits der 30 Grad. Moment, baden am Bode-Museum? Dort, wo sich die grün-braune Spreesuppe zusammenschäumt, sollen nach den Visionen eines illustren Kreises aus Architekten, Medien- und Kulturschaffenden bald überhitzte Berliner vergnügt im Wasser planschen. Pläne dafür gibt es bereits seit Ende der 90er Jahre. Thomas Flierl, damals noch Linker Baustadtrat im Bezirk Mitte, hatte das Projekt einmal als interessant quergedacht aber »hinreichend unrealistisch« bezeichnet und damit liegt er nicht ganz falsch. Charlotte Hopf, Dombaumeisterin und Mitglied im Förderverein »Flussbad Berlin e.V.«, der sich der Planung und Finanzierung widmet, findet: Ein Schwimmbad vor ihrem Turmbüro, »das wäre doch nett«.

Sicherlich, es geht um das schöne Konzept der sozialen Teilhabe, um die Rückeroberung der Stadt. Wer aber wird zwischen Bode-Museum und Lustgarten schwimmen? Die sechsköpfige Familie aus einem der Berliner Randgebiete bestimmt nicht. Zu den immensen Kosten, die eine Wasserreinigung samt hochkomplexer Filteranlage produziert, gibt es keine Infos. Aber irgendwie müssen die Unsummen ja wieder reinkommen und das geht nur übers Eintrittsgeld. Auch Bademeister sind nicht geplant, Familien mit Kindern bleiben also außen vor. Die Stadt für alle, eine tolle Vision.

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