Fracking-Firmen in Goldgräberstimmung

Großbritannien vergibt Lizenzen für Gasförderung

  • Von Christian Bunke, London
  • Lesedauer: 3 Min.
Die liberal-konservative britische Regierung setzt auf Fracking. Neue Regeln machen es den Konzernen leicht, Lizenzen zu erhalten.

Am Montag startete die britische Regierung die jüngste Runde zur Vergabe von Lizenzen für die Schiefergasförderung. Etwa die Hälfte der Landmasse der britischen Inseln ist zur Vergabe ausgeschrieben. Gleichzeitig verkündete die Regierung neue Richtlinien für die Förderung von Schiefergas in Nationalparks.

Die Förderung der Fracking-Industrie ist ein Steckenpferd der liberal-konservativen Koalition. Unternehmen, die die umstrittene Technologie in Großbritannien anwenden wollen, bekommen Steuererleichterungen. Begründet wird das mit einem Jobboom sowie größerer Energieunabhängigkeit, die durch das Wachstum dieser Branche erzielt werden soll. Von 74 000 neuen Jobs ist da die Rede. Die Zahlen sind umstritten, da sie hauptsächlich von Unternehmerverbänden kommen - Kritiker reden von höchstens 32 000 Jobs, die meisten davon temporär. Die Bevölkerung steht der Technologie überwiegend ablehnend gegenüber, alle Probebohrungen wurden von Protesten begleitet. Viele dieser Proteste finden in den Wahlkreisen konservativer Politiker statt, was die Regierung vor Probleme stellt. Schließlich will man keine Wähler vergraulen.

Deshalb begann am Montag eine Charmeoffensive: Ken Crownin, Geschäftsführer der »UK Onshore Operators Group«, dem Interessenverband der Schiefergaslobby, ließ in Zeitungen verkünden, die Branche sei eine der bestreguliertesten in Großbritannien und damit Vorbild für den Rest Europas. Umweltminister Matthew Hancock erklärte, man habe »starke Schutzmechanismen« errichtet, wolle aber die bestehenden Möglichkeiten ausschöpfen. Auch die Unternehmerverbände sind zufrieden: Simon Walker, Generaldirektor des Institute of Directors, sieht Großbritannien »auf dem Weg zu einer dynamischen, produktiven und gut regulierten Schiefergasindustrie«.

16 Prozent der zur Lizenzvergabe ausgeschriebenen Gegenden liegen in in Nationalparks. Zwar ist die Förderung von Schiefergas in Nationalparks gesetzlich verboten, doch es gibt Ausnahmen. Eine Bohrung dort ist möglich, wenn sie dem nationalen Interesse oder der lokalen Wirtschaft dient, eine Förderung außerhalb des Nationalparks für den antragstellenden Konzern zu teuer wird und wenn mögliche Umweltschäden so gering wie möglich gehalten werden.

Die Konzerne können sich größtenteils selbst regulieren. Sie dürfen ihre eigenen Umweltschutzberichte schreiben. Die Umweltschutzbehörde muss diese zwar absegnen, hat zur Überprüfung aber kaum Personal. Das wurde von der Regierung eingespart.

Auch der Nachweis des nationalen Interesses sollte kein Problem darstellen, denn dieses ist laut Regierung gegeben. Es wurde eigens eine Behörde geschaffen, um Firmen den Weg zur Lizenz zu erleichtern. Laut Hancock soll der Vergabeprozess maximal sechs Monate dauern. Gleichzeitig sollen Anrainergemeinden alle Unternehmenssteuerzahlungen der Schiefergasförderer behalten dürfen. So sollen sie dazu gebracht werden, die positiven Aspekte von Fracking zu erkennen.

Seit Montag gilt für die Branche also Goldgräberstimmung. Unsicherheitsfaktor bleibt nur der Widerstand der Bevölkerung. Denn der lässt sich nicht wegregulieren.

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