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Befragungsfake

Martin Kröger über die seltsame Olympia-Internetumfrage des Berliner Senats

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Ach, was wurde nach der krachenden Abstimmungsniederlage der Senatskoalition in Sachen Zukunft des Tempelhofer Feldes nicht alles an Besserung gelobt. Dialog mit der Stadtgesellschaft sei jetzt angesagt, hieß es. Aus der Kontroverse lernen, lautete eine weitere Devise. Was die mögliche Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2024 oder 2028 angeht, sei die Unterstützung der Bevölkerung bei der Planung und Durchführung gar »unverzichtbar«.

Soweit die Absichten. Wie die rot-schwarze Realität aussieht, lässt sich indes gut auf der seit Mitte Juli freigeschalteten Internetseite der Senatskanzlei zur möglichen Olympiabewerbung betrachten: Verborgen unter der Zwischenüberschrift »Olympia in der Mitte der Gesellschaft« führt dort ein unscheinbarer Link zu einer Unterseite. Dort wiederum befindet sich die wochenlang von kaum jemand bemerkte »Berlin kann Olympia – Befragung«. Diese versteht sich gar als »Stimmungstest«. Insgesamt neun Fragen und Unterfragen gilt es zu beantworten. Seltsamerweise fehlt allerdings die einzig Relevante: »Wollen Sie Olympische Spiele. Ja oder Nein?«

So sieht sie also aus die neue Bürgerbeteiligung: suggestiv, verschleiernd und belanglos. Stattdessen müssten doch jetzt als erstes Fakten geliefert werden, um sich eine Meinung bilden zu können: Was kostest das, welche Konzepte gibt es? Bekannt ist dagegen lediglich, dass eine Olympiabewerbung Berlin »Milliarden« Euro kosten dürfte. Während sich der BUND Gedanken über Rahmenbedingungen gemacht hat, kommt der Senat mit diesem Befragungsfake daher. Für das angeblich noch folgende »umfassende« Beteiligungsverfahren lässt das nicht Gutes erwarten – im Gegenteil.

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