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»Versager« gesucht

Die Zahl der Studienabbrecher ist konstant hoch. Hinter den Zahlen verbirgt sich aber in der Regel kein persönliches Scheitern. Viele Ausbildungsprojekte wenden sich speziell an Studienabbrecher.

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Die Zahl der Studienabbrecher ist seit Jahren konstant hoch: Rund ein Drittel der Studienanfänger halten nicht bis zum Ende durch. Oft wird der Abbruch dabei, zumal, wenn er unfreiwillig erfolgte, als persönliches Versagen erlebt - und vermag man vor lauter Verzweifeltsein längere Zeit der Zukunft kaum Positives abzugewinnen. Doch auch jene, die ein Studium vorzeitig abbrechen, sind in der Berufswelt gern gesehen. Es gibt inzwischen sogar einige Ausbildungsprojekte, die sich speziell an Studienabbrecher wenden.

»Es gibt ein Leben nach der Uni«, überschrieb spiegel-online vor einigen Jahren eine Fotostrecke über prominente Studienabbrecher. Ganz vorne mit dabei war Bill Gates, der der Harvard-Universität und seinem dort begonnenen Mathematikstudium nach eigenen Angaben zügig den Rücken kehrte. Zu den Gründen erklärte er: »Auf der Uni ist Angeben angesagt, und dass man cool war, konnte man besonders dadurch beweisen, dass man das Studium nachlässig betrieb«.

Derlei Argumente kommen heutigen Studienabbrechern eher nicht in den Sinn. Ihre Gründe für einen Abbruch sind schwerwiegender. Dabei wird die Entscheidung, ein Studium abzubrechen, in der Regel nicht allein durch ein Motiv bestimmt. Nach einer Studie der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) sind es vor allem drei Motive, die dabei insgesamt im Vordergrund stehen: 20 Prozent aller befragten Abbrecher fühlen sich den Anforderungen des Studiums nicht gewachsen und geben daher Leistungsprobleme als Grund für die vorzeitige Beendigung des Studiums an. Probleme der Studienfinanzierung führten für 19 Prozent der Befragten zum Studienabbruch. Dahinter verbergen sich neben finanziellen Schwierigkeiten zunehmende Probleme, eine zur Finanzierung des Lebensunterhalts notwendige Erwerbstätigkeit und das Lernen an der Uni miteinander zu verbinden. Von ähnlich großer Bedeutung (18 Prozent) ist der Studienabbruch aufgrund mangelnder Motivation. Diese Studierenden haben sich mit falschen Erwartungen an die fachlichen Inhalte und die Bedingungen und Anforderungen des Studiums immatrikuliert.

Diese drei Motive geben den Ausschlag für mehr als zwei Drittel aller Abbrüche. Vermehrt spielen zudem bei der Entscheidung schlechte Studienbedingungen eine Rolle (12 Prozent gegenüber 8 Prozent im Jahr 2000) .

Zu einer Beratung am Besten schon vor dem Studienabbruch rät Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks (DSW): »Es ist eine völlige Neuorientierung notwendig: Was will ich wirklich? Wo sehe ich mich in fünf, zehn oder 20 Jahren? Diese Frage muss jede und jeder individuell für sich beantworten und dann nach vernünftigen wie konstruktiven Lösungen suchen.«

Dass der Gang zu einer Beratungsstelle sinnvoll ist, zeigt eine Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), die Studienabbrechern attestiert, dass sie auch ohne formalen Abschluss in den Genuss von »informeller Bildung« gekommen sind und in der Regel über so viele Kompetenzen verfügen sowie eine solche Fülle an Wissen besitzen, dass sie, wenn man sie richtig einzusetzen weiß, wertvolle Fach- und Arbeitskräfte sein können.

Daher gibt es inzwischen auch Job-Angebote, die allein auf sie zugeschnitten sind. Solche erhält man beispielsweise über die Beratungsseite Studienabbrecher.com. Und auch die Arbeitgeber selbst werden zunehmend aktiv: In einem Pilotprojekt bieten zurzeit in Unterfranken (Bayern) Betriebe Studienabbrechern eine verkürzte Ausbildung inklusive Meisterqualifikation an. Abbrecher können hierdurch eine »Turboausbildung« absolvieren. Und das ist nur eines von vielen Projekten, die aktuell im Entstehen sind.

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