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Die Verirrten

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Seit Sperrung der S-Bahn-Strecke Friedrichsstraße-Zoo kam es vermehrt zu tödlichen Zwischenfällen. Pünktlich zum Ende des Weltmeister-Finales standen bürokratisch verordnet die Schienen still, und wenig später waren auch schon die ersten Opfer zu beklagen: Fanmeilen-Besucher aus aller Welt, die glaubten, mit zugekleisterten Jägermeister- Schädeln einen Weg durch den Tiergarten Richtung Zoo zu finden.

Die ersten von ihnen endeten grausam, als sie taumelnd in eine Gruppe eher harmlos wirkender Würstchenwender platzten und direkt in die dampfenden Koteletts stürzten. Am nächsten Morgen fand man sie mit Spießen erstochen unter einem Grillofen wieder. Von den eigentlichen Bratern fehlt jede Spur.

Eine andere Gruppe Fußballfans stolperte versehentlich in den Vorgarten von Schloss Bellevue und fand sich hilflos verloren in einem präsidialen Blumenbeet wieder. Auf sie gerichtet: grelle Suchscheinwerfer und kreischende Lautsprecherstimmen, die krächzende Befehle brüllten, bevor die blutrünstigen Dobermänner von Joachim kamen. Der Bundespräsident äußerte sich zu diesem Vorfall noch nicht.

Eine weitere Horde Fußballfans schlug sich verzweifelt in südlicher Richtung durch den Zoologischen Garten, fiel dort entweder hungrigen Großkatzen zum Opfer, zerquetschte sich zwischen dösenden Elefanten oder begegnete Zoo-Chef Andreas Knierim (48), der dort jede Nacht schlafwandelnd mit Tropenhelm und Schrotflinte bewaffnet auf alles schießt, was nicht wie ein Zebra aussieht.

Die Wenigen endlich, die den Marsch durch den Park überlebten, schafften es zwar bis Bahnhof Zoo, verirrten sich aber total übermüdet auf dem Vorplatz und sollen (angeblich) an einer Überdosis gestorben sein, weil dort erworbenes Pulver dann doch kein Kaffee war.

Aber auch in anderer Richtung Unglückliches! So wird von einer Handvoll US-Amerikanern berichtet, die am Bahnhof Zoo auf der Suche nach Ersatzverkehr ins nahe Beate-Uhse-Haus stapfte und probierte, an einem Kondomautomaten ein BVG-Gruppen-Ticket zu ziehen. Später liefen sie dann mit wedelnden Gummis über den Ku’damm und erstürmten die Stretchlimousine eines ukrainischen Oligarchen im Glauben, endlich einen Bus erwischt zu haben. Dass sie wenig später am Rathenau-Platz unter das Cadillac-Denkmal betoniert wurden, gilt als bewiesen.

Bis zum 4.August wird also dieses brutale Stadtbahnfrab harmlos suchende Touristen in tödliche Fallen locken, und die Behörden in den betroffenen Bezirken wollen gar nicht wissen, wie viele Verunglückte noch aus dem Tiergarten geschaufelt oder aus der Spree gefischt werden.

So bleibt am Ende zu hoffen, dass dieses Projekt pünktlich fertig sein wird, da unsere Touristen womöglich noch auf die dämliche Idee kämen, sich eigene Fortbewegungsmittel zu mieten. Denn: Nichts könnte tödlicher enden als Touristen auf Fahrrädern!

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