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Grundstein für neue Kulissenstraße gelegt

In der alten »Berliner Straße« von Studio Babelsberg entstanden Filme wie »Sonnenallee« und »Der Pianist«

  • Von Katharina Dockhorn
  • Lesedauer: 3 Min.

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Steuervorteile lockten internationale Filmproduktionen nach Babelsberg. Nach der Kürzung der Subventionen ist die Branche verunsichert.

Das Straßenschild kündet schon von der »Neuen Berliner Straße«, doch es steht erst eine Ecke der neuen Außenkulisse von Studio Babelsberg. Sie entsteht auf 12 000 Quadratmetern. Einige Häuserfronten haben kein Gesicht. Blaue und grüne Holzwände füllen die Lücken. Der Dreh vor diesen farbigen Flächen ermöglicht es Filmemachern, die Fassaden nachher am Computer in verschiedene Zeitepochen zu versetzen.

Die Kulisse löst die alte »Berliner Straße« ab, die Ende der 1990er für Leander Haußmanns Streifen »Sonnenallee« entstand. Der damalige Chef des Filmboards Berlin-Brandenburg, Klaus Keil, hatte die Idee. Mit umgerechnet anderthalb Millionen Euro Steuermitteln förderte er den Bau. Roman Polanski drehte hier Teile seines oscarprämierten Dramas »Der Pianist«, Margarethe von Trotta fand hier die Häuser der Frauen aus der Berliner »Rosenstraße«, die 1943 gegen die Verschleppung ihrer jüdischen Männer protestierten. Nun ist die Kulisse in die Jahre gekommen, und die Betreiber des Filmparks wollen dort Wohnungen bauen. Die Holzgerüste der »Berliner Straße« sind bereits abgerissen. Ein Wiederaufbau dieser Teile lohnte sich nicht. Carl Wöbcken und Christoph Fisser, Geschäftsführer von Studio Babelsberg, investieren jetzt zwölf Millionen Euro in einen Neubau. Dafür erwarben sie Land an den alten Lokschuppen, die sie schon vor Jahren gekauft hatten.

In Sichtweite der Baustelle stehen noch Kulissen der Produktion »Die Schöne und das Biest«. Zuvor standen hier die Baracken für Stefan Ruzowitzkys KZ-Film »Die Fälscher«. Den Grundstein für die »Neue Berliner Straße« legten am Montagnachmittag Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Ministerpräsident Dietmar Woitke (beide SPD). Sie versprachen, zur Einweihung der »Neuen Berliner Straße« beim ersten Dreh wiederzukommen.

Im Moment verhandeln die Babelsberger ein internationales Projekt, das in Wrocław und hier gedreht werden soll. Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Akquise solcher Projekte haben sich in den vergangenen Monaten verschlechtert. Studio Babelsberg profitiert seit 2007 von den Steuerermäßigungen durch den Deutschen Filmförderfonds (DFFF). Der Nachlass von bis zu 20 Prozent der Produktionskosten lockte Kate Winslett, George Clooney, Tom Hanks, Brad Pitt und Christoph Waltz an. Sie spielten in »Der Vorleser«, »Cloud Atlas«, »Inglorious Basterds« und »Monument's Men«. Für diese Koproduktionen gaben US-amerikanische, britische oder französische Produzenten ein Vielfaches der Fördersumme aus. Die Steuereinnahmen und die Sozialabgaben übertreffen die Subvention.

Trotz dieser Bilanz hat sich der Bund der Steuerzahler auf den Deutschen Filmförderfonds eingeschossen und die Subventionen kritisiert. Das blieb nicht ohne Wirkung. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kürzte die Fördersumme 2014 von 70 auf 60 Millionen. Für 2015 sind nur noch 50 Millionen eingeplant. Die Diskussionen um die Zukunft des DFFF verunsichern Produzenten, die bei der Konkurrenz in London oder Prag bessere Rahmenbedingungen finden. Sigmar Gabriel, der noch heute vom Dreh einer Szene von »Monument's Men« in seiner Heimatstadt Goslar schwärmt, versprach, sich für den Deutschen Filmförderfonds einzusetzen.

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