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Keine Zeit für Hiobsbotschaften

Die Lage der ostdeutschen Maschinenbauer ist wegen der Russland-Sanktionen angespannt, aber nicht aussichtslos

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Reinhard Pätz ist Geschäftsführer des ostdeutschen Zweigs des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA Ost). Mit ihm sprach Simon Poelchau über die Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland auf die ostdeutsche Wirtschaft.

nd: Die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau hat vor Kurzem gemeldet, dass Unternehmen in ihrem Bezirk bereits die Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland spürten. Teilen Sie diese Meinung?
Pätz: Dies trifft nicht nur auf Sachsen-Anhalt, sondern eigentlich auf ganz Deutschland zu. Vielleicht sind die Auswirkungen in den Regionen unterschiedlich stark ausgeprägt, doch die ostdeutschen Unternehmen sind besonders davon betroffen. Schließlich sind Russland und die Ukraine aufgrund der Geschichte wichtige Exportmärkte für die neuen Bundesländer.

Welche Branchen spüren die Sanktionen besonders deutlich?
Das sind vor allem Firmen wie Automobilzulieferer und Hersteller von Fördertechnik, Baumaschinen, Landtechnik und Werkzeugmaschinen. Doch genau beziffern für die einzelnen Branche kann man die Auswirkungen leider nicht. Zum Teil gibt es auch zu wenige Hersteller, um Zahlen veröffentlichen zu dürfen. Denn das würde zu viele Rückschlüsse auf die Lage der einzelnen Firmen zulassen und ist deswegen nicht zulässig.

Sind vor allem Hersteller von Hightech-Produkten betroffen?
Das sind nicht nur Firmen, die etwa Hightech-Produkte beispielsweise für die Ölförderung produzieren. Viele ostdeutsche Firmen, auch mit »normalen« Produkten, sind von den Sanktionen betroffen. Viele russische Unternehmen bestellen zudem nicht mehr in Deutschland, weil sie sich nicht sicher sein können, wie sich die Lage entwickelt und ob sie ihre Bestellungen geliefert bekommen. Doch auch viele ostdeutsche Unternehmen sind verunsichert.

Inwiefern sind diese Unternehmen verunsichert?
Auch wenn sie noch Aufträge bekommen, wissen diese Firmen nicht, ob sie liefern dürfen. Das betrifft auch angefangene Aufträge mit einer etwas längeren Lieferzeit - etwa von 12 bis 15 Monaten. Diese Unternehmen fragen sich, ob sie ihre Maschinen dann überhaupt noch abgenommen bekommen und wer für etwaige Ausfälle aufkommt. Zudem werden die Finanzierungen schwieriger.

Doch werden die Folgen der Sanktionen für deutsche Unternehmen wirklich bedeutend sein? Schließlich liegt Russland mit einem Handelsvolumen von 76,5 Milliarden Euro unter den deutschen Handelspartnern letztlich nur auf Platz elf.
In der Maschinen- und Anlagenbaubranche ist Russland aber der viertwichtigste Exportmarkt. Und in Ostdeutschland werden wir den Rückgang der Aufträge stärker zu spüren bekommen als im Rest der Bundesrepublik. Schließlich nimmt der russische Markt für so manche Firma aus den neuen Bundesländern einen Exportanteil von 30, 40, 50 Prozent ein.

Wird es wegen der Sanktionen gegen Russland zu Stellenabbau kommen?
Zunächst muss man feststellen, dass wir noch weit von einer Situation wie in der Krise der Jahre 2009 und 2010 entfernt sind. Und je schneller sich die Regierungen an den Verhandlungstisch zurück setzen und zu einer politischen Einigung kommen, desto größer sind die Chancen, dass die Unternehmen mit einer kleinen »Delle« davon kommen. Aber wenn die Krise länger andauert, kann es durchaus sein, dass gerade kleine und mittelständische Unternehmen nicht daran vorbei kommen werden, Arbeitsplätze abzubauen.

Die Lage ist also noch nicht aussichtslos?
Nein. Sie ist im Moment ein bisschen unübersichtlicher und schwieriger kalkulierbar als vor zwei, drei Monaten. Aber es macht keinen Sinn, jetzt mit Hiobsbotschaften an die Öffentlichkeit zu gehen. Und auch in Russland haben wir bereits Mitte letzten Jahres gemerkt, dass die Wirtschaft - ganz unabhängig von der Embargopolitik - wie auch in einigen anderen Ländern außerhalb Europas langsamer wächst und teilweise schwächelt. Deswegen hat der VDMA vor Kurzem seine Produktionsprognose für dieses Jahr leicht nach unten korrigiert. Doch wir gehen davon aus, dass die Konjunktur weiter anziehen wird.

Wäre es aber nicht für die Wirtschaft - auch in ihrem Eigeninteresse - sinnvoll, mit einem Friedensappell an die Öffentlichkeit zu gehen?
Zum Teil wird das bereits gemacht. Und ich denke, dass sich die Politiker ihrer Verantwortung bewusst sind. Der VDMA Ost akzeptiert das Primat der Politik genauso wie unsere Unternehmen und steht hinter den Entscheidungen der Bundesregierung, auch wenn es für den einen oder anderen besonders schmerzlich ist.

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