Ein bisschen gefährlich

Pierre Bourdieus Vorlesungen über den Staat

  • Von Harald Loch
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Warum werden Vorlesungen, die ein bedeutender Soziologe vor einem anspruchsvollen Publikum vor einem Vierteljahrhundert gehalten hat, heute gedruckt? Pierre Bourdieu, um dessen Lektionen am ehrwürdigen Collège de France es sich hier handelt, lieferte selbst in seiner Vorlesung vom 15.Februar 1990 die Begründung: »Solche parolenartigen Formulierungen sollen als Gedächtnisstütze dienen und sind ein bisschen gefährlich. Es sind Dinge, die ich nicht schreiben würde, doch der Unterricht ist dazu da, Dinge zu sagen, die man nicht schreibt, und Dinge, die man schreibt, kommunizierbar zu machen, indem man sie einfacher, elementarer, gröber sagt, was die Schriftform nicht zu tragen, nicht zu ertragen vermag.« Der Widerspruch, das, was aus gutem Grund so nicht geschrieben worden ist, jetzt doch gedruckt zu lesen, beschert den Nachgeborenen in Wirklichkeit eine reizvolle verbotene Frucht. Denn das, was Bourdieu zu sagen hatte, aber nicht zu sc...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.