Tatort Krise: Wir ermitteln jetzt erst recht

Nach über 100 Folgen macht der »Krisenstab« Schluss. Die politisch-ökonomische Debatte im »nd« geht weiter. Und eine neue Krimi-Kolumne startet

Alles hat seine Zeit, und manchmal läuft sie auch ab, damit eine neue beginnen kann: Nach über 100 Folgen und zwei Jahren voller ökonomischer Analysen und politischer Zwischenrufe hat der »nd-Krisenstab« seine Arbeit beendet.

Sabine Nuss und Ingo Stützle wollen sich anderen Aufgaben zuwenden. Den beiden sowie der linken Wirtschaftspolitikerin Sahra Wagenknecht, dem ver.di-Ökonomen Dierk Hirschel, dem Commons-Theoretiker Stefan Meretz und dem Sozialwissenschaftler Christoph Butterwegge, der früher auch zum »nd-Krisenstab« gehörte, danken wir an dieser Stelle für zahlreiche Denkanstöße, für aktuelle Kritiken der Herrschenden und den Blick über die Grenzen des politischen und ökonomischen Mainstreams hinaus.

Zurzeit könnte man bei einem Rundgang durch die veröffentliche Meinung den Eindruck bekommen, die Krise sei ein Zustand, den es nur auf dem außen- und friedenspolitischen Parkett gibt: von Ukraine-Krise ist die Rede, von der Irak-Krise, von der Nahost-Krise. Von dem Kladderadatsch, der im August 2007 mit dem rasanten Anstieg der Kurse für Interbankenkredite erste Anzeichen zeigte und im September 2008 mit dem Zusammenbruch der Großbank Lehman Brothers volle Fahrt aufnahm, hört man dagegen nicht mehr allzu oft; geschweige denn von seinen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Folgen etwa in Europa.

Dass die kapitalistische Krise kein unvorhersehbares Naturereignis darstellt, dass sie ebenso wenig eine Frage bloß des falschen Verhaltens etwa von Bankern oder Bossen ist und welche Alternativen es gibt, darüber konnte man von den Autorinnen und Autoren des »nd-Krisenstabs« viel lernen. Man wird dies übrigens auch weiterhin tun. Denn auch wenn nun montags ein anderes Format den Platz einnimmt - »neues deutschland« wird künftig der politisch-ökonomischen Diskussion noch mehr Platz einräumen. Wir haben es in den vergangenen Wochen bereits getan, etwa mit der Debatte über die Hintergründe und Folgen des andauernden Fusionsfiebers unter internationalen Konzernen, zu der Jörg Goldberg, Heinz-J. Bontrup und Hans-Peter Brenner Beiträge besteuerten. Oder mit der Diskussion über die Gefahren einer Deflation mit Texten von Klaus Müller und Mechthild Schrooten.

Auf diesem Weg wollen wir weitermachen: Analyse wirtschaftlicher Vorgänge, Kritik der politischen Ökonomie und Debatte über Alternativen zum real existierenden Kapitalismus gehören zum Kern einer linken Zeitung. Die bisherigen Mitglieder des Krisenstabs werden dabei weiterhin als Autorinnen und Autoren dafür sorgen, dass uns und ihnen das eine oder andere Licht aufgeht. In der ersten Folge des Krisenstabs schrieb Sahra Wagenknecht: »Ohne Abschöpfung der Vermögen der Superreichen wird man die Krise nicht überwinden können.« Das galt und gilt für jene, die 2007 begann. Und es galt und gilt auch für die anhaltende Dauerkrise von Sozialem und Demokratie. Der kritische Geist des »nd-Krisenstabs« bleibt uns Auftrag.

Am Montag startet »nd« eine neue Kolumne, die mit der Krisenhaftigkeit der Gesellschaft durchaus etwas zu tun hat. Matthias Dell wird sich den Sonntagabendkrimi vornehmen, ob »Tatort« oder »Polizeiruf«, filmische Verarbeitungen sozialer und anderer Konflikte findet man darin durchaus. Dell kennt sich damit aus, von ihm ist unter anderem das Buch »Herrlich inkorrekt« über die Thiel-Boerne-Tat-orte erschienen; seine bisher an anderer Stelle veröffentlichten »Tatort«-Kolumnen haben sich eine große Fangemeinde erschlossen. Dell hat Theaterwissenschaft und Komparatistik in Berlin und Paris studiert, ist der Filmexperte der Wochenzeitung »Freitag« und Mitverantwortlicher bei der Zeitschrift »Theater der Zeit«. Außerdem arbeitet er seit langem als Mitautor der werktäglichen Metamedienkolumne dasaltpapier.de.

Was Matthias Dell vom Münchner »Polizeiruf« hält, der am Sonntag ausgestrahlt wird? Das erfahren Sie am Montag in der Tatort-Kolumne des »nd«. Und am Sonntagabend gleich im Anschluss an den Film um 21.45 Uhr auf dasND.de/tatort.

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