Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Rassismus als einziger Trumpf

Die NPD hat Chancen, zum dritten Mal in den sächsischen Landtag einzuziehen

  • Von Hendrik Lasch, Dresden
  • Lesedauer: 3 Min.
Sachsen ist seit langem die stärkste Bastion der NPD. Die könnte sie bei der Landtagswahl am Sonntag auch halten - trotz gewachsener Konkurrenz am rechten Rand.

Wenn die sächsische NPD am Freitag ihren Wahlkampf beendet, tut sie das im erzgebirgischen Schneeberg. Aus Sicht der Rechtsextremen eine plausible Entscheidung. Sollte sie am Sonntag die Hürde von fünf Prozent überspringen - wofür einiges spricht - und damit zum dritten Mal in den Landtag einziehen, dann müsste man sagen: In Schneeberg wurde ein entscheidender Grundstein dafür gelegt.

In der Stadt im Erzgebirge steht eine ehemalige Kaserne, in der Flüchtlinge untergebracht sind. Ende 2013 organisierte die NPD Proteste dagegen, die sie »Lichtelläufe« nannte - und die bis zu 1800 Menschen anlockten. Das Rezept wurde seither vielfach kopiert: Wo immer im Freistaat über die Unterbringung von Flüchtlingen diskutiert wird, hetzt die NPD die Bürger auf.

Im Wahlkampf ist das Thema faktisch ihr einziger Trumpf. Zwar wurden auch Nahrungsmittel an Bedürftige verteilt - sofern sie Deutsche waren. Auch um Hundebesitzer und angeblich von Gewalt bedrohte Frauen kümmert sie sich. Dominiert wird der Wahlkampf aber von einer »ausländerfeindlichen Anti-Asylkampagne«, wie der Verfassungsschutz feststellt: Es sei »das einzige verbliebene Politikfeld«, auf dem sich die NPD als Meinungsführer sehe. »Sie haben damit diesmal ein Thema«, sagt Danilo Starosta vom Kulturbüro Sachsen, »anders als 2009«. Nach Analyse des Kulturbüros hat die NPD die Asylthematik bereits seit Sommer 2013 zielgerichtet zum »zentralen Schwerpunkt« ihrer Kampagne ausgebaut.

Offenbar hat sie Erfolg. Nachdem sie in Umfragen noch Anfang 2014 bei einem Prozent dümpelte, sahen sie zwei Wochen vor der Wahl zwei Institute erstmals bei fünf Prozent. Der Trend ist um so bemerkenswerter, als es ernsthafte Konkurrenz gibt: Auch die in Sachsen bisher erfolgreiche »Alternative für Deutschland« (AfD) besetzt das Thema Zuwanderung; sie fordert deren Begrenzung, lehnt Programme für mehr Weltoffenheit als »Integrationsfolklore« ab und fordert Bürgerentscheide über Moscheebauten. Der NPD bereitet das Kopfzerbrechen, wie scharfe Ausfälle gegen die Eurokritiker belegen. Der Abgeordnete Jürgen Gansel sammelte etwa Belege für einen angeblichen »Pro-Moslem-Kurs« der AfD und warnt, sie solle »Protest systemkonform neutralisieren«. Zuletzt suchte man die AfD anzuschwärzen, weil diese Sanktionen gegen Russland befürwortete.

Mehr Brisanz hat freilich das Thema Asyl - wie auch die CDU erkannt hat. Ihr Innenminister Markus Ulbig bemühte sich daher jetzt erneut, Härte zu signalisieren: Sachsen habe seit Januar 585 Asylbewerber abgeschoben und stehe im Bundesvergleich »an oberer Stelle«, teilte er mit. Den Wind kann er den Rechtsextremen so nicht aus den Segeln nehmen: »NPD wirkt«, kommentieren diese lakonisch.

Über eine gefestigte Basis verfügt die Partei in Sachsen ohnehin, wie bei der Kommunalwahl im Mai deutlich wurde. Nur fünf Monate, nachdem ihr langjähriger Chef Holger Apfel über Intrigen gestolpert war und die Partei am Boden zu liegen schien, holte sie 59 Sitze in Stadt- und Gemeinderäten und 37 in Kreistagen. 4,6 Prozent waren ein Warnsignal. Dennoch war CDU-Regierungschef Stanislaw Tillich vor der Sommerpause zuversichtlich: »Sie werden nächstes Jahr nicht mehr dabei sein«, sagte er in einer Regierungserklärung in Richtung NPD. So sicher kann er sich vor dem Wahlsonntag nun nicht mehr sein.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln