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Folge 59: ANTIFA (Substantiv, die)

Lexikon der Bewegungssprache

Das Konzept der Antifa ist so alt wie die Autonomen selbst, war doch die Auseinandersetzung mit Neonazis, seien es Parteikader oder glatzköpfige Skinheads in grünen Bomberjacken, schon in den frühen 80ern eine Konstante in den urbanen Kämpfen um Jugendzentren, besetzte Häuser und öffentliche Räume. »Den Frontblock macht wieder die Antifajugend«, hörte man bei mancher Demonstration Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre in Berlin. Zentrale Bedeutung für die linke Szene erlangte der organisierte antifaschistische Kampf aber erst im Zuge der Wiedervereinigung. Das Jahr 1992 mit dem Pogrom in Rostock-Lichtenhagen, dem tödlichen Brandanschlag in Mölln, dem Mord an Silvio Meier in Berlin und der Einigung von SPD und CDU zum Asylkompromiss während die Deutschland-Fahnen schwenkende Zivilgesellschaft »Das Boot ist voll« skandierte, führten zu einer Fokussierung der Szene auf Antifaarbeit. Demos, Blockaden und Antifarecherche wurden zu Betätigungsfeldern einer in AABO und Bundesweitem Antifatreffen (BAT) auch bundesweit organisierten Bewegung. Mit jahrelang konsequent durchgezogenen Blockaden von Aufmärschen in Dresden und anderswo konnten Nazistrukturen zurückgedrängt werden. Mit Beginn der Krise, den neuen sozialen Bewegungen und dem Aufkommen rechtspopulistischer Parteien und ihrer Diskurse waren die Antifakonzepte der 90er Jahre überholt. Die Post-Antifa-Gruppen orientieren sich neu und organisieren sich in den sozialen Kämpfen der europäischen Transformationslinken. schmi

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