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Die ungewollte Medaillenjagd

China zeigt bei den Olympischen Jugendspielen in Nanjing erneut Organisationstalent und sportliche Dominanz

  • Von Stephan Scheuer, Nanjing
  • Lesedauer: 3 Min.
China veranstaltete wieder mal ein Sportereignis der Superlative. Mit einem gigantischen Programm in Nanjing wurden die Olympischen Jugendspiele zur festen Instanz im internationalen Sport erhoben.

Es war eine Großveranstaltung ganz nach dem Geschmack von Chinas Führung. Jeden Tag holten junge Athleten bei den Olympischen Jugendspielen in Nanjing neue Goldmedaillen für die Volksrepublik. Nach den glänzend organisierten Olympischen Spielen in Peking vor sechs Jahren festigte China seinen Anspruch als Sport-Großmacht. Mit knapp 3800 Athleten übertrumpften die Wettkämpfe in der ostchinesischen Metropole die Premiere der »kleinen Spiele« vor vier Jahren in Singapur. IOC-Präsident Thomas Bach war schon vor Abschluss der Großveranstaltung an diesem Donnerstag begeistert: »Wir müssen keine Probleme lösen. Wir können einfach die Spiele genießen.«

Das sah zum Auftakt von Mini-Olympia noch etwas anders aus. Der bislang schlimmste Ausbruch der Ebola-Krankheit in Westafrika veranlasste die Organisatoren zu Notmaßnahmen: Die Mannschaften aus Sierra Leone und Nigeria durften kurzfristig nicht mitmachen. Wegen der Epidemie in ihrer Heimat waren die Sportler aus Liberia gar nicht erst nach China gereist. Das Schreckensgespenst Ebola konnte die Spiele in der Folgezeit aber nicht mehr überschatten. Kurz vor Abschluss der zweiwöchigen Wettkämpfe war keine Rede mehr von den möglichen Gefahren der Krankheit.

»Dabeisein ist alles« - immer wieder wiederholten die Veranstalter in Nanjing ihr Credo. Offiziell soll niemand Medaillen zählen. Die 14 bis 18 Jahre alten Athleten sollten sich lieber ganz auf ihren Sport konzentrieren und nicht den gesamten Druck internationaler Großwettkämpfe abbekommen. In China, wo selbst in Grundschulen oft Ranglisten der besten und schlechtesten Schüler für alle Fächer veröffentlicht werden, war das aber nicht einfach zu vermitteln. Täglich unterliefen große Staatsmedien die demonstrative Nichtzählerei und feierten Chinas Spitzenposition.

So wurde genau analysiert, wie sich Pekings Sportler im Vergleich zu den ersten Jugendspielen 2010 in Singapur schlagen, als China mit 49 Medaillen (davon 29 Gold) bereits ganz oben auf der ungewollten Liste stand. Die USA nahmen die Spiele damals nicht so ernst und landeten auf dem 13. Rang - noch hinter Deutschland mit 22 Medaillen, davon vier goldenen. Bereits vor dem letzten Wettkampftag in Nanjing jubelte China nun schon über 62 Medaillen (38 Gold), Boxer Peter Kadiru holte am Mittwoch den zweiten deutschen Sieg.

Chinas ehemaliger Basketballstar Yao Ming forderte nun drastische Maßnahmen: »Wir sollten auf Resultate, Listen und Medaillen verzichten.« Der Wettkampf dürfe nicht im Vordergrund stehen, sondern der internationale Austausch. »Als Individuen sind wir klein, aber wir gehören alle in ein großes Bild. Das macht den Geist von Olympia aus«, sagte Yao.

Eines ist den Nachwuchstalenten aus mehr als 200 Ländern schon jetzt gelungen: Sie haben die Olympischen Jugendspiele als feste Institution etabliert. Und so plant Bach bereits die nächsten Sommerspiele 2018 in Buenos Aires. »Die künftigen Organisatoren sollten schon mal über ihre Spiele nachdenken«, erklärte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). »Nanjing zeigt ein weiteres Mal, wie exzellent China Großveranstaltungen ausrichten kann.« Und auch wenn jede Nation den Spielen ihre eigene Note geben solle, könnten andere Länder von den Chinesen lernen. dpa/nd

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