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Tanzschaufenster und Videowand

Das Festival »Tanz im August« klingt wie schon bei den letzten Ausgaben mit der Tanznacht Berlin aus. Sie hat sich als Plattform des Berliner zeitgenössischen Tanzes bewährt. Im Jahr 2000 ins Leben gerufen, sollte die Tanznacht die Vielfalt künstlerischen Schaffens konzentriert präsentieren. Aus diesem »Schaut mal, was wir können« ist mittlerweile mehr als nur eine Standortbestimmung geworden. Kuratorin Heike Albrecht, die bereits vor acht Jahren eine Tanznacht organisierte, setzt in diesem Sommer zukunftsweisende Akzente.

Die werden vor allem in den bemerkenswerten Videotanzarbeiten in der Galerie Ebensperger deutlich. Meg Stuarts »The Only Possible City« ist hier als Deutschlandpremiere zu sehen. Die Berliner Choreografin setzte sich darin schon vor sechs Jahren mit dem Zeitregime von Gesellschaften auseinander. Sie leitete damit die gegenwärtig zu konstatierende Themenverschiebung von der Untersuchung des Körpers hin zu komplexeren Organisationsformen ein. Penelope Wehrli, eine echte Pionierin im Feld des aufgezeichneten und mit Echtheitsloops vermischten Tanzes, steuert Untersuchungen zu den Bewegungen von Bienenvölkern und Schrittfrequenzen von Menschen bei.

Für Albrecht zeichnen sich alle gezeigten Videoarbeiten durch »ein Verständnis von Choreografie als Zeitverläufe mit einem bestimmten Körperbezug im Raum« aus. Aus der bildenden Kunstszene ist für den Videoschwerpunkt der Androiden-Bauer Bjørn Melhus eingeladen. Er hat nicht benutztes Filmmaterial aus seinem Narco-Rebellenzyklus »Hecho in Mexico« umgearbeitet. Auch An Kaler ist mit einer Videoarbeit vertreten. Als Absolventin des Hochschulübergreifenden Zentrums Tanz stellt Kaler damit die Verbindung zu einem weiteren Programmschwerpunkt her: Der Präsentation einiger Absolventen mit sehr ausgeprägten choreografischen Handschriften aus diesem noch sehr neuen Studiengang auf dem Gelände der Uferstudios.

Noch etwas ist Albrecht wichtig: Die Auseinandersetzung des zeitgenössischen Tanzes mit urbaner Folklore. Die für neue Einflüsse stets offenen David Brandstätter und Malgven Gerbes collagieren Krump, Break Dance und Release-Technik. Niels »Storm« Robitzky, Louise Wagner und Raphael Hillebrand organisieren auf der Basis der Battle-Struktur Tänzerdialoge zwischen urban dancers und Vertretern des zeitgenössischen Tanzes. Wie sehr diese Anstrengungen dem hehren Ziel dieser Tanznacht gerecht werden, den Verwertungszusammenhängen des globalen zeitgenössischen Tanzgeschäfts zu entgehen, wird sich zeigen. Aber immerhin ist ein organisatorisch-strukturell-politischer Anspruch formuliert, der sich vehement an die Szene selbst wendet.

Zeichen eines erstarkten Selbstbewusstseins ist auch, dass neben Debatten um die Ästhetik des zeitgenössischen Tanzes der Zukunft die Forderung erhoben wird, der reinen Projekthaftigkeit Einhalt zu gebieten und den zeitgenössischen Tanz strukturell zu fördern. Plattform hierfür ist die Podiumsdiskussion »Gefördert - und wie weiter?« am 28. August.

Natürlich gibt es auch zahlreiche exzellente Berliner Tanzproduktionen der letzten Jahre zu sehen, von Christoph Winkler etwa, Kat Valastur, Martin Hansen (Foto) und Frédéric Gies. Die Schaufensterfunktion behält die Tanznacht schließlich bei. Tom Mustroph Foto: Tim Fabian Bartel

28.-31.8. Galerie Ebensperger und Uferstudios

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