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Risse in der Dualen Berufsausbildung

Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit schlägt Sonderprogramm für benachteiligte Jugendliche vor

  • Von Roland Bunzenthal
  • Lesedauer: 3 Min.
Eine neue Initiative zur Integration benachteiligter Jugendlicher soll jungen Arbeitslosen in strukturschwachen Regionen einen Ausbildungsplatz verschaffen.

Rund einen Monat vor dem Start des Ausbildungsjahres 2014 sind noch 102 400 Lehrstellenbewerber unversorgt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) wurden bis August drei Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als noch im Vorjahr. Allerdings wies die Nürnberger Behörde am Donnerstag darauf hin, dass die Zahl der ihr gemeldeten offenen Ausbildungsplätze um 7000 auf 495 000 angestiegen ist. Wie die BA erklärte, würden die Arbeitgeber sie nunmehr verstärkt bei der Suche nach geeigneten Azubis einschalten. Noch immer bestünden aber »erhebliche regionale, berufsfachliche und qualifikatorische Unterschiede«.

Das Selbstverwaltungsgremium der BA - der Verwaltungsrat - beauftragte jetzt mit den Stimmen von Gewerkschaften und Arbeitgebern die Nürnberger Behörde, ein Konzept für eine Kampagne zu erarbeiten, um mehr Betriebe für die Ausbildung benachteiligter Jugendlicher zu gewinnen. Zugleich soll die Bundesagentur ein Konzept erstellen, das »eine weitaus intensivere und langfristigere Unterstützung benachteiligter Jugendlicher« in den einzelnen Agenturen eröffnet. Die Kosten des aus Steuern zu finanzierenden Sonderprogramms beziffert das Verwaltungsratsmitglied Wilhelm Adamy auf etwa 500 Millionen Euro bis 2018. Hinzu kämen 400 Millionen aus den Beitragsmitteln der BA. Grundsätzlich zähle jedoch die Finanzierung betrieblicher Ausbildungsplätze zu den gesamtgesellschaftlichen Aufgaben, die nicht nur den Beitragszahlern aufgebürdet werden könnten. Vor allem die Bundesländer seien stärker gefordert.

Der Vorschlag sieht ein regional differenziertes Vorgehen zugunsten der unversorgten Jugendlichen vor. Dazu will man die Betriebe in den besonders vom Mangel an Lehrstellen betroffenen Regionen besser beraten und stärker sensibilisieren für Jüngere mit ungünstigen Startchancen. Dazu gehören junge Leute mit Hauptschulabschluss oder solche, die die Schule abgebrochen haben. Hierzu sollen zeitlich befristet für zwei Jahre 160 zusätzliche »Ausbildungsakquisiteure vor Ort eingesetzt werden, um Jugendliche mit Handicap besser zu vermitteln«. Auf der anderen Seite seien die Anforderungen an die »Lehrlinge« je nach Berufsfeld »recht hoch«, berichtet Adamy. Deswegen wollen er und seine Mitstreiter in Nürnberg den Personenkreis derer ausweiten, die gefördert werden. Bislang erhalten durchschnittlich 43 000 junge Menschen »ausbildungsbegleitende Hilfen«, mit denen sie während der betrieblichen Lehre eine Betreuung erhalten sollen, um einen vorzeitigen Abbruch ihrer Ausbildung zu verhindern.

Der DGB hat im Rahmen einer Analyse des vergangenen Ausbildungsjahres (bis Ende September 2013) festgestellt, dass der Erfolg der Suche nach einem Ausbildungsplatz »in starkem Maße vom erreichten Schulabschluss« abhängt. Schlechtere Chancen hätten auch junge Menschen mit Migrationshintergrund. Dies liege vor allem an den »betrieblichen Auswahlprozessen«. Insgesamt zeigten sich immer deutlicher die »Risse und Herausforderungen« der international hoch gelobten Dualen Berufsausbildung in Deutschland. So sei die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2013 um 3,4 Prozent im Westen und 5,9 Prozent im Osten auf einen »historischen Tiefstand« gefallen. Am Ende des Ausbildungsjahres suchten noch rund 83 500 Mädchen und Jungen erfolglos einen Ausbildungsplatz. Und etwa ein Viertel der begonnenen Lehren (bundesweit 148 000) sei vorzeitig abgebrochen worden. Rund eine Viertelmillion Jugendliche landete in »Übergangsmaßnahmen und Warteschleifen«.

Hauptschulabgänger stellen laut DGB nur noch ein Drittel der Auszubildenden. Jugendliche ohne Hauptschulabschluss oder mit schlechten Noten in Mathe oder Deutsch hätten inzwischen kaum noch Chancen auf eine Stelle. Beträchtliche Unterschiede gebe es auch regional: In 20 Arbeitsamtsbezirken übersteige die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen deutlich das Angebot der Betriebe.

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