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Schmettern im Fußballstadion

Die Volleyball-WM in Polen verspricht neue Rekorde - die deutschen Männer wollen endlich aufs Treppchen

  • Von Lars Becker, Katowice
  • Lesedauer: 3 Min.
62 000 Fans wollen das Auftaktspiel der Volleyball-WM in Warschau sehen. Der Sport erlebt in Polen derzeit einen Boom.

Ob es am 21. September in Katowice einen Pokal für die neuen Volleyballweltmeister geben wird, steht noch nicht hundertprozentig fest. Die wertvolle Silbertrophäe ist in dieser Woche auf ihrer Werbetour durch die Welt in der kommenden Olympiastadt Rio de Janeiro gestohlen worden. Fest steht jedoch, dass am Samstag in Warschau außergewöhnliche Titelkämpfe in Polen beginnen werden. Schon das Eröffnungsspiel wird in neue Dimensionen für den Sport vordringen: 62 000 Zuschauer wollen sich in dem für die Fußball-Europameisterschaft 2012 erbauten Nationalstadion das Duell zwischen Polen und Serbien anschauen. Alle Tickets dafür waren nach nur 100 Minuten vergriffen.

»Wenn man Volleyball und Fußball vergleicht, sind das in Polen zwei unterschiedliche Welten«, sagt WM-Organisationschef Wojtek Czayka. »Das Fußball-Nationalteam ist in der Weltrangliste irgendwo um Platz 70 hinter Nationen wie Albanien oder El Salvador platziert und hatte die Qualifikation für die WM wieder einmal verpasst. Im Volleyball dagegen haben wir eine der besten Ligen der Welt, die besten Vereine spielen im Gegensatz zum Fußball in der Champions League und unser Nationalteam gehört zu den Spitzenmannschaften«, so Czayka. So hoffe nun das ganze Land auf den Weltmeistertitel. Die Begeisterung in den sieben Ausrichterstädten ist riesengroß: Mehr als 350 000 Eintrittskarten sollen für das Event mit einem Budget von ungefähr 50 Millionen Euro bereits verkauft worden sein.

Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) schaut staunend ins Nachbarland. Hierzulande ist die Sportart nur eine Randerscheinung. Dass sich aus Dresden ein Fanbus mit 50 Anhängern auf den Weg nach Katowice macht, wo die deutsche Mannschaft ab Montag ihre Vorrunde bestreiten wird, gilt schon als Erfolg. Ebenso wie der Fakt, dass kurz vor der WM eine Nahrungsmittelfirma und die UNICEF als Partner verpflichtet werden konnten. Zur Abwechslung laufen die deutschen Volleyballer einmal nicht mit »nackten« Trikots aufs Parkett.

Dass Volleyball auch medial attraktiv sein kann, hat 2013 die Europameisterschaft der Frauen in Deutschland bewiesen. In der Spitze sahen im Spartensender Sport1 bis zu eine Million Zuschauer den Durchmarsch der deutschen Mannschaft bis ins Finale. Bis Donnerstag war trotzdem noch kein deutscher Fernsehsender gefunden, der die WM der Männer live übertragen wollte. Bedingung dafür sind spektakuläre Erfolge. Auch aus diesem Grund tritt das Team um Georg Grozer in Polen mit dem hohen Ziel an, die zweite WM-Medaille nach Gold 1970 für die DDR zu gewinnen.

»Wir sind bei Olympia und bei den Europameisterschaften im Viertelfinale gewesen, nun wollen wir einen Schritt weitergehen«, sagt Zuspieler Lukas Kampa. »Wir haben diesen gemeinsamen Medaillentraum und können jedes Team schlagen.« Das zeigte auch der letzte Test am Mittwoch, als Weltligasieger USA 3:2 besiegt wurde. Zum WM-Auftakt wartet mit Brasilien aber gleich der Titelverteidiger.

Trotz des schweren Starts freut sich Kampa auf das Turnier: »Ich erwarte eine perfekt organisierte WM in tollen Hallen mit enthusiastischen Fans. Wer den Stellenwert von Volleyball in Polen kennt, weiß, dass es wohl kaum bessere Ausrichter gibt.« Vielleicht bekommt der Champion am Ende der WM-Rekorddauer von 23 Tagen ja sogar einen Pokal - der Weltverband hat die Anfertigung eines Duplikats in Auftrag gegeben.

Mehr über das Turnier im Internet

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