Werbung

Historiker kritisieren Gauck: Eskalation der Worte

Bundespräsident habe in Gdansk «weiteres Öl ins Feuer» gegossen / Warnung vor historischen Vergleichen in der Ukrainekrise / Aber auch Unterstützung für Staatsoberhaupt

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Berlin. Bundespräsident Joachim Gauck wird wegen seiner Rede in Gdansk nun auch von namhaften Historikern kritisiert. Die Ansprache zum Gedenken an den Beginn des Zweiten Weltkriegs, in der das Staatsoberhaupt scharfe Worte in Richtung Russland gerichtet hatte, habe «zur Eskalation der Worte» beigetragen, zitiert die «Süddeutsche Zeitung» den Freiburger Historiker Ulrich Herbert. Gauck habe einseitig agiert und sei auf begründete Sorgen in Russland vor einer weiteren NATO-Ostausweitung «gar nicht eingegangen», zitiert die Zeitung Herbert. Ähnlich äußerten sich die Historiker Norbert Frei, Jochen Hellbeck und Andreas Wirsching.

Es sei nicht Aufgabe des Bundespräsidenten, die Stärke des Westens zu demonstrieren, «schon gar nicht auf der Westerplatte, nur 75 Jahre danach». Gauck habe zudem «kein Wort» über den deutschen Angriffskrieg gegen die Sowjetunion verloren und so «weiteres Öl ins Feuer» gegossen. Kritik wird auch an der Neigung laut, historische Vergleiche in der Diskussion über die Krise in der Ukraine zu ziehen. Diese Kritik richtet sich freilich nicht nur gegen Gauck, sondern auch gegen einige seiner Kritiker.

Die Rede von Joachim Gauck am 1. September 2014 auf der Westerplatte in Polen - hier

Gauck erhält in der Wissenschaft allerdings auch Unterstützung. So sagte der Osteuropa-Experte Karl Schlögel laut «Süddeutsche», es sei «beruhigend zu wissen, dass es an der Spitze unseres Gemeinwesens einen Präsidenten gibt, der nicht nur den Toten und den Opfern seine Ehre erweist, sondern auch von dem spricht, was heute der Fall ist. Auch der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler nahm Gauck in Schutz.

Auch die Unionsfraktion hatte Gauck geschlossen gegen Kritik an seiner Haltung zu Russland verteidigt. »Der Bundespräsident hat nach unserer Einschätzung das Richtige zum richtigen Zeitpunkt und auch am richtigen Ort gesagt«, sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU).

Gauck hatte bei der zentralen polnischen Gedenkfeier zum deutschen Überfall vor 75 Jahren mit Blick auf Russlands Vorgehen gegen die Ukraine gesagt, die Geschichte lehre, dass territoriale Zugeständnisse den Appetit von Aggressoren nur vergrößerten. Der Westen werde entschlossen reagieren. Unter anderem Linkenchef Bernd Riexinger hatte danach mehr Zurückhaltung von Gauck verlangt und ihm vorgeworfen, »am Jahrestag des Weltkriegsausbruchs Öl ins Feuer eines europäischen Konflikts« zu gießen. Die Grünen solidarisierten sich hingegen mit Gauck. nd/Agenturen

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!