Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Gefühlschaos

Fußball als Spiel basiert auf einem einfachen Prinzip: Es gewinnt, wer nach 90 Minuten mindestens ein Tor mehr als die gegnerische Mannschaft geschossen hat. In diesen eineinhalb Stunden kann aber so viel passieren, dass Sieg und Niederlage am Ende gar nicht entscheidend dafür sind, in welcher Stimmung mensch wieder nach Hause geht.
Gefühlschaos

Die Voraussetzungen für die Begegnung zwischen Babelsberg und dem FC Carl Zeiss Jena hätten besser nicht sein können: Freitagabend, Flutlicht, das Wetter hielt sich. Dass mit Jena ein Traditionsverein im Karli zu Gast war, schlug sich deutlich sichtbar auf den Zuschauerrängen nieder. Endlich einmal hatten sich mehr als zehn Menschen im Gästeblock eingefunden und sogar die Sitzschalen auf der Tribüne waren weitgehend besetzt. Entsprechend laut sollte es werden.

Mit einer viertelstündigen Verspätung wurde das Spiel angepfiffen – ein Unfall auf der Autobahn verzögerte die Anreise der Gästefans. Spannend war das Spiel von Beginn an. Vor allem die Nulldreier suchten die Zweikämpfe und gewannen in Halbzeit eins viele davon. Der erste Torschuss nach 22 Minuten brachte die 1:0-Führung. In den folgenden Minuten hätte Babelsberg nachlegen und das Spiel für sich vorentscheiden können. Aber dies gelang nicht.

So war klar, dass die zweite Hälfte noch umkämpfter, hektischer werden sollte. »Mais agitado«, würde der geneigte Portugiese sagen. Schlag auf Schlag reizten Spieler, Schiedsrichter und Fans nun alle Mittel aus, die Fußball zu bieten hat. Zuerst musste auf Babelsberger Seite der Kapitän verletzungsbedingt raus. Christian Schönwälder übergab die Binde an Ugurtan Cepni. Dann zeigte die Babelsberger Nordkurve eine Choreografie mit viel Gold und Rauch. »Refugees welcome« war das Motto. Diese positive Botschaft schlug sich allerdings nicht auf dem Platz nieder. Die Fouls wurden rüder, immer öfter gingen Spieler zu Boden, mussten kurz behandelt werden. Dann der Schock für die Babelsberger: Leon Hellwig kassierte seine zweite gelbe Karte des Abends und damit auch die rote. Jena hatte den Druck erhöht, nun musste Nulldrei zu zehnt dagegen halten. Das ging nicht lange gut, Jena kam zum 1:1. Das Gefühlschaos nahm noch zu: Auch ein Jenaer Spieler musste vom Platz. Und die Gäste schafften es dennoch kurz darauf, ein weiteres Tor zu schießen. Jena hatte nun das Spiel gedreht, den Sieg vor Augen. Babelsberg dagegen drohte, 80 Minuten umsonst geackert zu haben. Verzweiflung kam im Gesicht des Trainers Cem Efe auf.

Aber seine verbliebenen Zehn gaben nicht auf. Und da war ja noch das Schiedsrichterteam. Kurz vor Schluss hieß es: Elfmeter für Nulldrei. Den verwandelte Bilal Cubukcu sicher – zur lauthalsen Freude mehrerer tausend Babelsberg-Fans und zum verdienten Ausgleich. Dagegen Fassungslosigkeit bei Jena, die im unvermittelten Abpfiff ihren Höhepunkt fand. Es folgten noch ein paar unschöne Szenen auf und neben dem Platz, wobei ein größeres Handgemenge verhindert werden konnte. Doch genauso schnell, wie sich einige Spieler und Fans erregten, ist die Rage wieder gewichen. Beide Vereine waren am Ende doch mit je einem Punkt zufrieden. Gästetrainer Karsten Hutwelker beglückwünschte sogar alle Beteiligten, zu diesem Abend: »So macht Fußball Spaß.« Und Cem Efe ergänzte: »Alt werde ich so aber nicht.«

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln