»Wir sind wie ein altes Ehepaar«

Eine wichtige linke Stimme verstummt: Die österreichische Zeitschrift »grundrisse« stellt ihr Erscheinen im Dezember ein

Zum Jahresende stellt die Redaktion die »grundrisse – Zeitschrift für linke theorie & debatte« Zeitschrift ein. Über die Gründe dafür und den generellen Stand der linken Publizistik im deutschsprachigen Raum sprach Christian Baron mit dem österreichischen Publizisten und »grundrisse«-Redakteur Karl Reitter.

Die »grundrisse« sind beliebt und werden seit dreizehn Jahren strömungsübergreifend in der Linken gerne gelesen. Warum stellen Sie Ihre Zeitschrift nun ein?
Nach all der Zeit ist bei uns eine gewisse Erschöpfung eingetreten, die Luft ist schlichtweg raus. Wir sind eine kleine Gruppe von vier bis sechs Personen und diese Gruppe wird immer älter. Die Arbeit an der Zeitschrift ist uns zu sehr zur Routine geworden nach über 500 Artikeln, die wir diskutiert haben.

Gab es auch interne Konflikte in der Redaktion?
Nein, auf keinen Fall. Eher im Gegenteil: Wir sind schon wie ein altes Ehepaar. Jeder kennt die Position der Anderen seit Jahren nur allzu genau, da kommt kaum mehr Feuer in die Debatten hinein.

Ist das nicht auch eine Zustandsbeschreibung der neueren marxistischen Linken im deutschsprachigen Raum?
So scharf würde ich es nicht formulieren. Was man aber sagen kann: In der Linken hat sich die theoretische Großwette...


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