Bolivars Erben und ihr schwieriges Erbe

Dieter Boris über die Errungenschaften und die Grenzen der Politik der lateinamerikanischen Linksregierungen

  • Von Tobias Lambert
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Dieter Boris liefert mit »Bolívars Erben« einen wichtigen Beitrag zur Debatte über linke Politik in Lateinamerika.

Lateinamerika war die erste Region, in der neoliberale Ökonomen ihre Patentrezepte vom Rückzug des Staates aus der Wirtschaft durchsetzten. Nach dem Putsch gegen die sozialistische Regierung unter Salvador Allende in Chile 1973 breitete sich neoliberale Politik bis in die 1980er Jahre in fast allen Ländern des Subkontinents aus. Bekanntlich brachte dieses Experiment nur vergleichsweise wenigen Menschen Reichtum und Wohlstand. Seit der Jahrtausendwende wählte die Bevölkerung in den meisten lateinamerikanischen Ländern neoliberale Regierungen wieder ab, häufig aktiv unterstützt von sozialen Bewegungen. Einen neoliberalen Rollback gab es bisher nur in vereinzelten Fällen, zum Beispiel in Honduras nach dem Putsch 2009.

Dieter Boris, hierzulande einer der profiliertesten Lateinamerikaexperten, sieht darin »eine einmalige historische Konstellation, die es in Lateinamerika seit der politischen Unabhängigkeit vor etwa 200 Jahren noch ...

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