Ein erstes Date in Schwarz

Der 1. FC Union Berlin besiegt RB Leipzig, seine Fans demonstrieren für Fußballkultur

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.
Erster Saisonsieg für den 1.FC Union Berlin: Die Freude war umso größer, da er ausgerechnet gegen die ungeliebten RasenBallsportler aus Leipzig gelang. Vor dem Jubel gab es reichlich Protest.

Besondere Rivalität im Fußball braucht manchmal keine jahrzehntelangen Derbys, keine Stadtduelle oder verfeindete Fangruppen. Am Sonntag begegneten sich der 1. FC Union Berlin und RasenBallsport Leipzig erstmals in einem Stadion. Die mehr als 20 000 Berliner Fans in der Alten Försterei nutzten die Partie des 6. Spieltags in der 2. Bundesliga zu einem beeindruckenden Protest gegen den Gegner.

Die Handzetttel, die vor dem Stadion verteilt wurden, hätte es gar nicht mehr gebraucht. Dass alle Berliner Fans mit schwarzen Regenplanen gegen den aus ihrer Sicht allein aus Marketinggründen 2009 gegründeten Klub demonstrieren wollten, war leider schon vorher öffentlich geworden. Die »BZ«, Medienpartner des Köpenicker Zweitligisten, hatte die als Überraschung geplante Aktion in den Tagen zuvor verraten.

Deshalb darauf verzichten, das kam aber auch nicht infrage - zu wichtig war den Fans der »Eisernen« das Anliegen. »In Leipzig stirbt die Fußballkultur« war in großen Lettern an der Tribüne zur Waldseite des Stadions zu lesen. Dort, wo die meisten der aktiven Fans während der Heimspiele stehen, auch die Ultragruppe »Wuhlesyndikat«. Sie hatte die Idee mit den schwarzen Planen, die von vielen anderen Fanklubs sofort wohlwollend aufgenommen wurde. So fanden sich viele Helfer, um innerhalb von zwei Wochen aus schwarzer Folie mehr als 20 000 Regencapes zu basteln.

Um die Aktion noch wirkungsvoller zu gestalten, wurde mit Ausnahme der rund 1800 Leipziger Fans nach dem Anpfiff noch 15 Minuten lang geschwiegen. Nach dem Abpfiff wurde gefeiert - in rot und weiß. Mit 2:1 hatten die Unioner gewonnen: Der erste Sieg für die Berliner nach zwölf vergeblichen Versuchen. Die erste Niederlage für RB Leipzig seit dem 1. Februar, da spielten die RasenBallsportler noch in Liga drei. Stürmer Sebastian Polter hatte Union in der 70. Minute mit einem Kopfball nach einem Freistoß von Benjamin Köhler in Führung gebracht. 14 Minuten später traf der Neuzugang im Sturm erneut - zum Sieg. Der Leipziger Yussuf Poulsen hatte zwischenzeitlich nach 77 Minuten ausgeglichen.

»Ein außergewöhnliches Spiel und eine gegnerische Mannschaft mit außergewöhnlicher Qualität«, wusste Unions Trainer Norbert Düwel schon vorher. RB Leipzig wurde im Vorfeld »sehr intensiv beobachtet«. Die dabei gefundene Schwachstelle war die rechte Abwehrseite des Gegners. Die meisten Angriffe spielten die Berliner über links. Zweimal mit Erfolg: Sowohl der Freistoß zur Führung als auch der Siegtreffer kamen über die Seite des schwachen RB-Rechtsverteidigers Georg Teigl. »Und wir haben Leipzig nicht das Spiel spielen lassen, das sie mögen«, erläuterte Düwel die Berliner Defensivtaktik.

Kompakt verteidigte Union vor allem im Zentrum und unterband so das schnelle Kurzpassspiel der Gäste. Etwas zu viel Platz ließen sie manchmal nur Yussuf Poulsen auf den Flügeln. Der schnelle RB-Stürmer, dänischer Nationalspieler, ließ mehrfach sein Können aufblitzen. Treffen konnte er aber nur nach einem Fehler von Unions Verteidiger Toni Leistner, dessen zu kurze Kopfballrückgabe Poulsen nutzte, um Torwart Daniel Haas mit einem Lupfer zu überwinden.

So waren nach einem guten Zweitligaspiel nur die Gastgeber zufrieden: Während RB Leipzig auf Platz vier zurückfiel, hievte sich der 1. FC Union Berlin mit dem ersten »Dreier« von den Abstiegsrängen auf Platz 14.

Zufrieden waren die Gastgeber auch mit dem gelungenen Protest, den kurz vor dem Anpfiff jedoch Klubsprecher Christian Arbeit im Stadion noch kurz konkretisieren wollte: »Das ist eine Aktion für Etwas, nicht gegen Etwas.« Arbeit las vom Transparent der Gegengerade ab: »Fußball braucht: Mitbestimmung, Financial Fairplay, Tradition, Transparenz, Unabhängigkeit.« Da aber RB Leipzig all diese Anforderungen nicht erfüllt, ist es zwangsläufig auch ein Protest gegen diesen Klub - den der 1. FC Union Berlin als Verein auch konsequent mitgetragen hat.

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