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Geschönte Zahlen und zu wenig Förderung

NRW-Wohlfahrtsverbände kritisieren Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit

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Allein in Nordrhein-Westfalen fallen laut der dortigen Wohlfahrtsverbände rund 180 000 Arbeitslose durch Trickserei aus der Statistik.

Die offizielle Statistik sei geschönt und bilde das reale Ausmaß der Arbeitslosigkeit nicht ab, denn viele Betroffene würden schlicht nicht mitgezählt. Das werfen die Spitzenverbände der Wohlfahrtspflege in NRW der Bundesagentur für Arbeit vor. Allein in Nordrhein-Westfalen fielen 180 000 Arbeitslose aus der Statistik, real stünden dort 950 000 statt über 770 000 Menschen ohne Arbeit da.

Die Bundesagentur für Arbeit »korrigiert so die monatlich verkündete Arbeitslosenzahl nach unten«, heißt es in einer Pressemitteilung des Dachverbandes der nordrhein-westfälischen Wohlfahrtsverbände. In ihm organisiert sind neben der Caritas die evangelische Diakonie, die sozialdemokratische Arbeiterwohlfahrt, das Deutsche Rote Kreuz, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband und die Jüdischen Gemeinden.

Statistisch nicht zu den Arbeitslosen gezählt würden insbesondere rund 50 000 über 58-Jährige, die keine Arbeit haben und in den letzten zwölf Monaten auch kein Jobangebot erhielten. Sie würden nicht als Arbeitslose, sondern als Unterbeschäftigte geführt. Eine Praxis, die ein Sprecher des NRW-Arbeitsministeriums als transparent verteidigt, während der Caritas-Direktor des Ruhrbistums, Andreas Meiwes, sie für skandalös hält.

Skandalös ist für Meiwes zudem, dass immer weniger Arbeitslose über 50 Jahren gefördert würden. »Die meisten Maßnahmen sind ungeeignet. Wir fordern mehr und gezieltere Förderung«, präzisierte Meiwes auf nd-Nachfrage. Arbeitslose dürften nicht nur in Maßnahmen »geparkt« werden, auf dass sie aus der Statistik flögen, forderte der Verbandschef. Doch die entsprechenden Budgets der lokalen Arbeitsagenturen seien zu klein, wenn überhaupt, dann würden meist nur Jüngere gefördert.

Weitere 130 000 Arbeitslose fallen laut Vorwurf der Wohlfahrtsverbände in NRW aus der Statistik, weil sie wegen Krankheit kurzfristig arbeitsunfähig seien oder an einer der besagten arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teilnähmen.

Caritas, Arbeiterwohlfahrt und Co. gründen ihre Kritik auf die aktuelle Ausgabe des Arbeitslosenreport NRW, die in ihrem Auftrag vom Institut für Bildungs- und Sozialpolitik (IBUS) der Hochschule Koblenz erstellt wurde. Letztlich basieren die Vorwürfe auf Daten der kritisierten Bundesagentur für Arbeit. »Seit langem beobachten wir, dass sich die Arbeitsmarktpolitik von den Älteren abwendet«, so IBUS-Direktor Prof. Dr. Stefan Sell. Dabei bestehe hier dringender Handlungsbedarf.

Als besonders vorbildlich gilt manchem Landespolitiker das Programm »Comeback50«, bei dem im Kreis Borken mit intensiver persönlicher Betreuung über 50-Jährige in Jobs gebracht werden sollen. Als Problem wird dabei also der Arbeitslose, nicht die Arbeitsmarktsituation ausgemacht. Rund jeder Dritte wird so zumindest zeitweilig in Arbeit gebracht, wobei allerdings auch Mini-Jobs mitgezählt werden. Und dieses Ergebnis wird in einer Region erzielt, deren Arbeitslosenquote weit unter dem Landesdurchschnitt liegt.

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