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Ein Eiffelturm für Amazonien

Klimaforschung in 325 Metern Höhe soll Wechselwirkungen im Regenwald klären

  • Von Norbert Suchanek
  • Lesedauer: 3 Min.

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Rund 150 Kilometer von der Amazonashauptstadt Manaus entfernt haben die deutsche Max-Planck-Gesellschaft, Brasiliens nationales Institut für Amazonasforschung (INPA) und die staatliche Universität von Amazonas (UEA) im August den Grundstein für einen riesigen, stählernen Forschungsturm gelegt. Mit 325 Metern Höhe wird das »Amazonian Tall Tower Observatory« (ATTO) nicht nur alle bereits existierenden Messtürme Südamerikas bei weitem überragen, sondern auch den Eiffelturm, wenn auch nur einen Meter. Ende November soll die Stahlkonstruktion stehen und ab 2015 rund um die Uhr für 20 bis 30 Jahre meteorologische Daten liefern. Dabei geht es vor allem um die Konzentrationen von Aerosolen und Treibhausgasen wie Kohlendioxid in der Luft über dem Wald. Die Wissenschaftler hoffen, dass ATTO zu einem besseren Verständnis über Quellen und Senken der Treibhausgase CO2, Methan und N2O führt und genauere Klimamodelle entwickeln hilft.

Zwei Türme zur Klimaforschung mit jeweils 80 Metern sind bereits seit einigen Jahren in Amazonien in Betrieb. »Mit dem neuen, viel höheren Messturm werden wir bessere Daten erhalten und die Mechanismen des Austauschs zwischen Boden und Atmosphäre besser verstehen können. Das Ziel ist wirklich zu begreifen, wie die Wolkenbildung in Amazonien mit den Prozessen am Boden zusammenhängt«, so Antonio Ocimar Manzi, Projektkoordinator am INPA.

Eine weitere Fragestellung ist die des tatsächlichen Kohlenstoffhaushalts des Regenwaldes. »Wie viel Kohlendioxid nehmen die Bäume auf und wie viel geben sie ab?« Das sei eine der wichtigsten, aber noch unzureichend geklärten Fragen, so Jochen Schöngart vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie. Der Klimaforscher vermutet, dass der Amazonaswald der Atmosphäre längst nicht so große Mengen des Treibhausgases entzieht wie bisher angenommen. Schöngart: »Der Wald ist vermutlich im Gleichgewicht.«

Während des Tags nimmt der Wald über die Fotosynthese Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf. Nachts allerdings beginnen die Pflanzen den am Tag produzierten Zucker zu verbrennen und geben CO2 an die Atmosphäre ab. Da nachts aber auch der Boden abkühlt, steigt weniger warme Luft auf als tagsüber, und das CO2 erreicht nicht die Sensoren an der Spitze des Messturms. Dies führte zur Fehlinterpretation, dass der Regenwald insgesamt der Atmosphäre Treibhausgase entzieht und in seiner Pflanzenmasse speichert.

Das ATTO-Projekt will nun genau diesen »Messfehler« vermeiden. Mit seiner Höhe reicht er bis in stabile Luftschichten, in denen die Kohlendioxidkonzentration nicht mehr dem Tag-Nacht-Wechsel durch Pflanzen ausgesetzt ist. Die Sensoren werden so nur den langfristigen Trend im CO2-Haushalt messen und nicht den Tag-Nacht-Unterschied.

Der Turm ist Teil eines Forschungsprojekts, das vom deutschen Forschungsministerium und dem brasilianischen Wissenschaftsministerium zu gleichen Teilen mit jeweils 4,5 Millionen Euro gefördert wird.

Die Stahlkonstruktion des Turms wurde in der südbrasilianischen Stadt Curitiba gebaut und per Lastwagen und Flussschiffen an ihren Standort transportiert: das 424 430 Hektar große Uatumã-Reservat (Redes de Desenvolvimento Sustentável - RDS).

Rund 250 Familien traditioneller Flussanwohner, sogenannter Ribeirinhos, leben dort entlang des Uatumã-Flusses von Fischfang und nachhaltiger Waldnutzung. Nur etwa 50 Kilometer entfernt findet sich allerdings das Gegenteil nachhaltiger Entwicklung: das Anfang der 1980er Jahre gebaute Balbina-Wasserkraftwerk, dessen Stausee 230 000 Hektar Regenwald überflutete. Das Balbina-Kraftwerk deckt lediglich etwa 10 Prozent des Strombedarfs von Manaus, aber die verrottenden Bäume sorgen dafür, dass der Stausee 20 mal mehr Treibhausgase produziert als ein Kohlekraftwerk gleicher Kapazität.

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