Werbung

Die Würde der Wilden

Brigitte Bardot 80

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Gern streckten sich die Männer nach der Decke - der Bettdecke. Brigitte Bardot wurde zur geradezu revolutionären erotischen filmischen Projektionsfläche - wobei der Begriff der Fläche die körperlichen Rundungsgrade dieser Schauspielerin grob unterschlägt. Sie war sehr anders als etwa die Loren oder die Lollobrigida. Sie provozierte mit der Freizügigkeit, indem sie diese als Wesen ihrer charakterlichen und geistigen Souveränität ins Spiel warf. Liebe musste für sie gefährliches Mysterium sein, nicht mondäne Positur. Die Lust tanzte nicht, sie hatte Krallen. Bardot wartete nicht auf Zuneigung, sie praktizierte den Zugriff. Sie war die damals weiblichste Form des landläufig männlichen Privilegs: der Herrschaft.

Die gelernte Tänzerin hat mit Gérard Philipe und Michele Morgan, mit Jean Gabin und Marcello Mastroianni, Jeanne Moreau und Claudia Cardinale, Curd Jürgens und Annie Girardot gearbeitet (u. a. »Privatleben«, »Novizinnen«, »Das große Manöver«); der Weg an der Seite von Regisseur Roger Vadim (»Und ewig lockt das Weib«) begann als Sex mit einer Minderjährigen und endete in einer Ehe, die doch nur Zwischenstation blieb für das rabiat begehrenswilde Leben der B. B. Ihr 45. Film, Anfang der Siebziger, war ihr letzter - und aus der Bardot wurde die radikale Tierschützerin, die bekennende Le-Pen-Anhängerin. Alles Bausteine einer rücksichtslos freien wie unbedenklich aufreizenden Lebenshaltung, die sich um Wirkungen nicht schert.

Ihre größte künstlerische Leistung bleibt wohl ihr Spiel in Jean-Luc Godards Film »Die Verachtung«, geschrieben von Alberto Moravia. Eine Liebesgeschichte als Gesprächsmarathon über seelische Träume und Tode. Schönheit als Tor zu einer langsamen Tortur der Regungen, deren Gründe und Folgen uns unbekannt bleiben. In Bildern ganz aus Geheimnis - und die blutjunge Bardot (neben Michel Piccoli) mitten in den Kernzonen aus Grausamkeit und Gleichgültigkeit. Und kontrollloser Gier. Als erfülle sich just in der Liebe der Heißhunger auf Enttäuschung.

Am Sonntag wird die Schauspielerin 80 Jahre alt. hds

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!